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Kolumne von Anne Lemhöfer
Fünf Schattierungen von Grau

vom 22.09.2017
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Der Vorgarten spiegelt die Seele der Hausbewohner, heißt es. Wenn das stimmt, muss ich mir um meine Freundin Jule wirklich Sorgen machen. Dann versteinert ihre Seele nämlich gerade. Gut, mit Steinen hatte sie es schon immer (»Der Aquamarin hilft gegen die typische Unruhe von Personen mit schlechtgestelltem Merkur im Geburtshoroskop, denk mal drüber nach!«) Aber ihre Seele blühte trotzdem so fröhlich wie die Gartenkräuter auf ihrem Rührei und das farbenfrohe Gemüse-Arrangement, das bei ihr in die Couscous-Pfanne kam. Und ihr Vorgarten erst, der war so bunt, wie er bei sehr netten, etwas chaotischen Menschen mit wenig Zeit eben bunt ist: Sonnenblumen, Rittersporn, Sonnenblumen, Lavendel, Sonnenblumen, Bartnelken, Sonnenblumen und eine gelbe Königskerze blühten da pflegeleicht und sympathisch vor sich hin. Dieses Jahr im frühen Frühjahr allerdings hatte sich Jule eine Woche freigenommen, um »den Garten ganz neu zu machen«.

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