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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2018
Angst
In der Gesellschaft rumort es: Ein Gefühl wird politisch
Der Inhalt:

Buch des Monats: Neu glauben lernen

von Norbert Copray vom 07.09.2018
Vielfalt, Widerspruch, Zweifel: Die Gesellschaft fordert uns heraus

Michael Klessmann
Ambivalenz und Glaube
Warum sich in der Gegenwart Glaubensgewissheit zu Glaubensambivalenz wandeln muss. Kohlhammer. 290 Seiten. 34 €

Mit Vieldeutigkeit, mit Unsicherheit, mit Zweifel kommen viele nicht zurecht. Daraus folgen oft Ängste. Mit der Zuflucht zu autoritären-fundamentalistischen Ansichten und zum Kampf gegen alles, was verunsichert und nicht eindeutig ist, wird abgewehrt, mit Ambivalenz und Vielfalt umgehen zu lernen. Unser postmodernes Zeitalter sei durch das »Ende der Eindeutigkeit« geprägt, schrieb der polnische Philosoph und Soziologe Zygmunt Bauman 1991. Für glaubende, dogmenfixierte Menschen ist das schwer erträglich. Wie damit zurechtkommen?

»Die Schwierigkeit, über Glauben/Religiosität/Spiritualität zu reden, hat neben allen Veränderungen im gesellschaftlichen Stellenwert von Religion und Kirche auch mit dem Phänomen der Ambivalenz zu tun«, schreibt Michael Klessmann in seinem Buch »Ambivalenz und Glaube«. Der emeritierte Professor für Praktische Theologie an der evangelischen Hochschule Wuppertal hat ein imposantes Werk mit einer umfassenden Antwort auf die Frage vorgelegt, »warum sich in der Gegenwart Glaubensgewissheit zu Glaubensambivalenz wandeln muss«. Denn die bisherigen Marker des Glaubens wie Gewissheit, Festigkeit und Sicherheit im Sinne eines »›Fels in der Brandung‹ passen zum einen nicht mehr zu einer Welt, die in zunehmendem Maße durch Flexibilität, Vieldeutigkeit, Widersprüchlichkeit und Brüchigkeit gekennzeichnet ist; und sie passen zum anderen nicht mehr zu einer Welt, in der uns durch die Medien die Abgründe und Gewaltzusammenhänge des Lebens täglich so drastisch vor Augen geführt werden, dass man die krassen Widersprüche zwischen einem christlichen Wirklichkeitsverständnis und unserer Lebensrealität immer weniger übersehen und ausblenden kann«.

Da zum Glauben »eine grundlegende und unvermeidliche Ambivalenz« gehört, kann durchaus aus dem Glauben heraus und mit ihm die Gleichzeitigkeit von Gewissheit und Ungewissheit, von Vertrauen und Misstrauen, von Glaube und Unglaube, die Gleichzeitigkeit des Glaubens, des Lebens und der Welt angenommen und bewältigt werden.

Klessmann stellt fest, dass gerade Christen den Umgang mit Ambivalenz, mit Mehrdeutigkeit und Widersprüchen einüben müssten und können. Eben hat Thomas Bauer, Islamwissenschaftler a

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