Religion in den USA
In Texas müssen alle Schüler die Bibel lesen
Der US-Bundesstaat Texas schreibt seinen Schülerinnen und Schülern künftig vor, was sie zu lesen haben. Zur Pflichtlektüre gehört die Bibel – auch für nicht-christliche Kinder. Eine derartige vom Bundesstaat erstellte Leseliste ist selbst für die USA ein ungewöhnlicher Schritt. Sie gilt vom nun beginnenden Schuljahr an und soll nach und nach eingesetzt werden. Neben klassischer Literatur sind Auszüge aus der Bibel für fast alle Altersstufen vorgesehen. Das Gremium, das die Leseliste zusammengestellt hat, ist zum größten Teil mit Republikanern besetzt.
Zehnte Klassen lesen in Zukunft unter anderem Dantes Inferno, Margaret Thatchers Grabrede für Ronald Reagan und einen Auszug aus dem Buch Hiob. In einigen Klassenstufen wurden die Bibelstellen so ausgewählt, dass sie zu bestimmten Themenblöcken passen. So sollen Zwölftklässler Jane Austens Roman »Stolz und Vorurteil« lesen und dazu das biblische Hohelied der Liebe. Die Bibel sei essenzielles Literaturgut und relevant für das Verständnis von Amerikas Gründung und Kultur, hieß es von texanischen Offiziellen.
Dass die Bibel im Englischunterricht gelesen werden müsse, verletze die Trennung von Staat und Kirche, beklagen Kritiker. Regierungsstellen sollten niemals versuchen, allen Menschen eine bestimmte Religion aufzuzwingen, kritisierte die Organisation Americans United for Separation of Church and State.
Die Liste legt einen Schwerpunkt auf ältere Texte von weißen und männlichen Autoren. Mehr als die Hälfte der fünf Millionen Schülerinnen und Schüler an den öffentlichen Schulen von Texas ist schwarz oder hispanischer Abstammung.

