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Pro und Contra
Eine Dienstpflicht für alle?

Die CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer hat eine allgemeine Dienstpflicht für junge Männer und Frauen über 18 Jahre angeregt. Sie soll bei der Bundeswehr, als Sozialdienst, dem Katastrophenschutz oder in der Entwicklungshilfe abgeleistet werden können. Seitdem wird heftig diskutiert: Ist das sinnvoll?
vom 24.08.2018
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Ja, das stärkt den Zusammenhalt

Klar: Die Debatte ist unausgegoren und juristisch unreflektiert. Dennoch ist sie wichtig. Denn: Eine allgemeine Dienstpflicht könnte dem immer weiteren Auseinanderdriften der Gesellschaft entgegenwirken. Die wachsende Ungleichheit teilt die Menschen immer stärker in Gewinner und Verlierer, die aneinander vorbeileben: hier die Reichen, dort die Mittelschicht, da die Ärmeren. Die an sich positive Vielfalt der deutschen Gesellschaft verengt sich zu Parallelgesellschaften. Die Menschen leben nicht miteinander. Viele kennen die Lebenswirklichkeit der anderen nicht. Nie war der Abstand zwischen Kindern aus gut situierten und weniger gut situierten Familien größer als heute. Das ergab eine Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung. Die (a)sozialen Medien verstärken diese Trennung. Viele User kommunizieren vor allem mit ihresgleichen und lassen sich die eigene Meinung bestätigen, ohne je eine andere wahrzunehmen. Eine allgemeine Dienstpflicht, die alle jungen Leute wahlweise in sozialen, ökologischen, zivilgesellschaftlichen Projekten oder bei der Bundeswehr ableisten, könnte sie mit anderen aus den verschiedensten Milieus, Kulturen und Religionen in Kontakt bringen. So wachsen Verständnis und Solidarität. Vor Jahrzehnten erzählten mir Klassenkameraden, dass ihr Wehrdienst wenigstens einen Vorteil hatte: nämlich Gleichaltrige aus Schichten zu treffen, denen man sonst nicht begegnet wäre. Gleichzeitig wäre bei der Einführung der Wehrpflicht die deutsche Militärpolitik wieder Thema in der Gesellschaft. Und zum Zwang: Wer auf Freiwilligkeit setzt, erreicht nur eine kleine, oft schon engagierte Minderheit. Ich selbst habe Zivildienst mit sozial benachteiligten Jugendlichen geleistet. Das hat mir persönlich sehr viel gebracht und den Jugendlichen auch, sagen sie noch heute. Freiwillig hätte ich es aber nicht gemacht.

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