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Immer sonntags

H-Milch zum Frühstück und am Abend eine Pizza zum »Tatort«. Der letzte Tag der Woche hat es in sich – im Guten wie im Schlechten, findet unsere Autorin
von Anne Lemhöfer vom 23.06.2017
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Sonntags ist alles anders. Die Menschen aus dem Stadtviertel, aus dem Dorf, aus dem Hochhaus treffen sich am Kiosk. Oder beim Bäcker, der anders als alle anderen Läden sonntags vielerorts bis mittags geöffnet hat. Kiosk und Bäcker haben genau aus diesem Grund auch noch bestimmte andere Waren im Programm, die nicht recht ins Sortiment zu passen scheinen. H-Milch zum Beispiel. Ultrahocherhitzte Milch kaufen, das ist ein echtes Sonntagsgefühl. Den seltsamen Nachgeschmack erträgt man, wenn ein langes, leckeres Sonntagsfrühstück dazukommt. Mit Eiern, Lachs, Croissants. Und Milchkaffee. Montags bis samstags planen die Menschen jeden Gang in den Supermarkt oder in den Bioladen per Liste, erwerben Frischmilch und andere vernünftige Dinge. Der Sonntag aber steht über der Vernunft. Da geht den Bewohnerinnen und Bewohnern von Ländern mit ewigoffenen Geschäften durchaus etwas verloren. Denn Kioske sind besondere Biotope: Da tauschen Nachbarn, die sich sonst kaum grüßen, Ansichten über den Jogginganzug der Thekenkraft, die Schlagzeile der Boulevardpresse und Sonstiges aus – über alles, was im Grunde niemanden so recht interessiert, aber doch im Moment des Erzählens spannend ist.

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