Da,wo ich bin
Katharina ist Mitte zwanzig, eine punkige, magersüchtige Berlinerin in Lederjacke, als sie zum ersten Mal auf einen evangelischen Kirchentag geht. Sie läuft ziellos durch die Hallen, beobachtet die Menschen, schaut sich die Info-Stände an. Und dann passiert es. In einer offenen belebten Halle stehen drei Frauen in langen Gewändern und singen die Psalmen. Katharina bleibt »wie angewurzelt, festgenagelt, blitzgetroffen« stehen. Der schlichte Anblick der drei Frauen, ihre große Gelassenheit inmitten des Kirchentagsrummels und der unbekannte Klang der Psalmodie trifft sie zutiefst. Nach Jahren, in denen sie sich in unterschiedlichen Szenen getummelt hat, nach unendlichem Grübeln und Diskutieren, nach tiefer Verletzung und einer fast selbstmörderischen Verzweiflung steht sie hier in der Halle und spürt »eine lange Sekunde in mir nichts als Frieden«. Reglos und gebannt schaut sie auf die Frauen in ihren Gewändern, beeindruckt von ihrer Kraft und Präsenz, dem vollkommenen Einklang von Form und Inhalt: »Ich war angekommen. Hier war dieser lichte Ort in der Mitte der Zeit, nach dem ich mich so gesehnt hatte.«
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