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Durst nach Sinn

Geist gegen Weingeist. Spiritualität gegen Sucht. Das Zwölf-Schritte-Programm der Anonymen Alkoholiker hilft Menschen, die sich unfähig fühlen, es mit dem Leben aufzunehmen
von Henning Mielke vom 28.05.2010
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Meinen ersten Vollrausch hatte ich am Abend vor meiner Hochzeit. Seit dieser Zeit sorgte ich dafür, dass ich vom Alkohol ebenso zuverlässig Vorräte hatte wie von den Zigaretten, die ich stangenweise kaufte. Ich brauchte Alkohol und Zigaretten. Ich fühlte mich damit selbstbewusster und sicherer.« Wilfried X. ist Pfarrer und Alkoholiker. Während seines Studiums machte er erstmals die Erfahrung, dass es ihm nach ein paar Gläsern Likör leichter fiel, Nähe zu seiner damaligen Freundin zuzulassen. Selbstzweifel und Unsicherheiten lösten sich im Alkohol auf. Auch mit exzessiver Arbeit hielt er sich die Menschen auf Abstand. »Du bist mehr mit deiner Gemeinde verheiratet als mit mir«, hielt seine Frau ihm vor. Willfried X. trank viel und rauchte täglich bis zu vierzig Zigaretten. Eines Tages wurde ihm bewusst, dass er das Nikotin als Betäubungsmittel benutzte, um seine Gefühle von Einsamkeit und Traurigkeit nicht spüren zu müssen. Als er beschloss, mit dem Rauchen aufzuhören, trank er schon morgens vor dem Frühstück, »doch meine Selbstachtung stieg dadurch nicht«. Als er miterlebte, wie ein Verwandter seiner Frau jämmerlich an seiner Alkoholkrankheit starb, bekam er Angst. Genauso, wie er es mit den Zigaretten geschafft hatte, zwang er sich nun zum Verzicht auf den Alkohol. »Es war nicht leicht. Doch ich habe es geschafft. Mehr aber auch nicht. Ich habe damals weder mein Leben noch meine Einstellung zu mir und zu anderen Menschen geändert.«

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