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Wie romantisch

Magisch und mächtig: Die Sehnsucht nach Natur und Ganzheitlichkeit.
Und unermüdlich suchen Menschen einen Menschen, der sie liebt
von Doris Weber vom 22.02.2013
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Friedhelm ist ein absolut unromantischer Typ. »Friedhelm ist pragmatisch bis aufs Skelett«, sagt Annette, und manchmal fragt sie sich ernsthaft, warum sie diesen Mann vor 33 Jahren geheiratet hat. Friedhelm ist patent, verlässlich und trocken wie Knäckebrot. Schon bei ihrem ersten Rendezvous hätte es bei Annette klingeln müssen. Hatte sie ihm nicht unmissverständlich durch die Blume zu verstehen gegeben, dass sie rote Rosen über alles liebt. Und was überreicht er ihr? Braune Astern!! Herbstpflanzen zum Wegwerfen. Wenigstens hatte er vorher noch das Zeitungspapier entfernt. Annette brachte die Astern am nächsten Tag auf Großvaters Grab. Die erste Nacht mit Friedhelm endete katastrophal. Annette hatte gerade ihr neues seidenes Negligé übergestreift, da hörte sie Friedhelm schon schnarchen. Er habe den ganzen Tag seinen Wagen repariert und war »einfach kaputt«, ließ er sie am nächsten Morgen wissen und fügte hinzu: »Wir haben doch Zeit, es war ja nicht unsere letzte Nacht.« So weit der Heiratsantrag à la Friedhelm. Seitdem sind, wie gesagt, 33 Jahre vergangen – und es gab bisher keinen einzigen Hochzeitstag, an dem Annette ihren ersehnten Rosenstrauß bekommen hätte. Friedhelm bleibt sich treu. Und seiner Frau ebenfalls. Das findet Annette romantisch. Mittlerweile. Bei Luise und Herbert war alles ganz anders. Er trug sie auf Händen. Jeden Kennenlern-Tag feierten sie in einem anderen Romantik-Hotel. Bei Kerzenschein, Champagner, Rosenblättern auf der Bettdecke, und immer legte er ihr vor dem Romantik-Menü ein kleines, funkelndes Geschenk auf die Serviette. Und heute? Wer Luise und Herbert zu Hause besucht, muss sich warm anziehen. Vorsicht Kühlhaus. Gefrorene Herzen. »Denn als sie einander acht Jahre kannten (und man darf sagen: sie kannten sich gut), kam ihre Liebe plötzlich abhanden. Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.« So beschreibt Erich Kästner in einem Gedicht, das er »sachliche Romanze« nannte, die traurige Geschichte einer verödeten Beziehung.

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