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Können Briefe Leben retten ?

Noch bis zum 18. Dezember läuft der Briefmarathon 2016 von Amnesty International. Die Hilfsorganisation bittet gezielt für elf Menschen um Unterstützung, die inhaftiert sind oder denen Haft droht. Anne-Catherine Paulisch von Amnesty International Deutschland über die Hintergründe der Aktion
von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 13.12.2016
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Hunderttausende Briefe können die Verantwortlichen nicht ignorieren, sagt Anne-Catherine Paulisch,  Teamleiterin für Marketing und Kommunikation bei Amnesty International Deutschland, über den Briefmarathon (Foto: amnesty international/Deutschland)
Hunderttausende Briefe können die Verantwortlichen nicht ignorieren, sagt Anne-Catherine Paulisch, Teamleiterin für Marketing und Kommunikation bei Amnesty International Deutschland, über den Briefmarathon (Foto: amnesty international/Deutschland)

Publik-Forum: Frau Paulisch, Amnesty ruft zu einem Briefmarathon auf. Was ist das?

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Anne-Catherine Paulisch: Der Briefmarathon ist eine Aktion von Amnesty International rund um den Tag der Menschenrechte am 10. Dezember. Frauen und Männer auf der ganzen Welt setzen sich dafür ein, dass unrechtmäßig Inhaftierte freikommen und dass die Menschenrechte beachtet werden. Dafür schreiben sie Briefe an Regierungen, Gefängnisdirektoren und andere Verantwortliche. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, direkt an die Gefangenen oder ihre Familien zu schreiben.

Ist das mehr als Symbolpolitik?

Paulisch: Definitiv! Die Aktion wächst von Jahr zu Jahr; 2015 wurden weltweit fast vier Millionen Briefe geschrieben. Das hat eine enorme Kraft. Ein oder zwei Briefe können von den Verantwortlichen ignoriert werden – Hunderttausende nicht. Letztes Jahr haben wir zwölf Fälle vorgestellt und um Unterstützung geworben – in sechs davon ist dann Bewegung in die Sache gekommen.

Können Sie Beispiele nennen?

Paulisch: Die Mexikanerin Yecenia Armenta wurde 2012 festgenommen, gefoltert, vergewaltigt und zu einem Geständnis gezwungen. Im Juni 2016 ist sie dank des Engagements der Briefeschreiber und Amnestys freigekommen. Oder Albert Woodfox, der 44 Jahre in den USA in Einzelhaft saß. Ihm wurde vorgeworfen, einen Mord begangen zu haben – was er stets bestritt. Für viele Beobachter waren der vage fundierte Schuldspruch und die extremen Haftbedingungen kein Zufall, sondern eine Reaktion darauf, dass Woodfox sich politisch engagierte. Im Briefmarathon letztes Jahr haben Menschen aus aller Welt sich für ihn eingesetzt. Im Februar ist er freigekommen. Die Solidaritätsbriefe seien eine »Quelle der Stärke« für ihn gewesen, sagte er uns.

Was kann ich tun, um zu helfen?

Paulisch: Auf unserer Homepage www.amnesty.de stellen wir die elf Menschen vor, für die wir dieses Jahr um Briefe bitten. Da können Sie direkt online einen Brief absenden oder Infomaterial per Post bestellen und dann handschriftlich einen Brief aufsetzen. Bis zum 18. Dezember läuft die Aktion noch. Amnesty-Aktivisten sind auch in Bibliotheken, auf Weihnachtsmärkten und in Schulen unterwegs. Wir haben im Vorfeld 10000 Schulen angeschrieben, für die wir auch begleitendes Unterrichtsmaterial vorbereitet haben. Letztes Jahr haben sich bundesweit 300 Schulen beteiligt und über 50000 Briefe verschickt. Für Schülerinnen und Schüler ist es wichtig zu sehen, dass man Unrecht nicht machtlos hinnehmen muss, dass ihr Engagement etwas bewirkt.

In welcher Sprache soll ich denn schreiben?

Paulisch: In Deutsch. Auf unserer Homepage finden sich Briefvorlagen, Sie können aber auch gerne selbst etwas formulieren.

Kommen meine Briefe auch wirklich an?

Paulisch: Ja, dafür stehen wir ein. Sonst wäre das Ganze ja zwecklos! An Politiker gehen die Appelle direkt. Wenn wir bei den Solidaritätsbekundungen an die Gefangenen das Gefühl haben, dass sie sie nicht erhalten, senden wir die Briefe an ihre Familien.

Für wen kann ich mich einsetzen?

Paulisch: Für Ilham Tohti zum Beispiel, Wirtschaftsprofessor aus China, der zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde, weil er sich für die uigurische Minderheit engagiert. Oder für Eren Keskin, eine türkische Menschenrechtsanwältin. Oder für den Fotojournalisten Mahmoud Abu Zeid, dem in Ägypten die Todesstrafe droht, weil er die gewaltsame Niederschlagung von Protesten dokumentiert hat. Machen Sie mit! Sie können Leben retten.

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