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Helfen Sie Aleppo!

Wie in einem Brennglas zeigt sich die Tragödie des syrischen Krieges dieser Tage in der nordsyrischen Stadt Aleppo. Tausendfache Hilfeschreie dringen von dort nach außen. Die Bilder sind schwer zu ertragen. Wir stellen fünf Hilfsorganisationen vor, die nicht aufgeben. Sie brauchen Ihre Unterstützung
von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 19.12.2016
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Wie geht es weiter mit den Menschen in Aleppo? Ganz klar ist nur eines: sie brauchen dringend die Hilfe der internationalen Gemeinschaft (Foto: pa/Ömer)
Wie geht es weiter mit den Menschen in Aleppo? Ganz klar ist nur eines: sie brauchen dringend die Hilfe der internationalen Gemeinschaft (Foto: pa/Ömer)

Mit der Schlacht um Aleppo hat der syrische Bürgerkrieg einen weiteren, grausamen Höhepunkt erreicht. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon fand drastische Worte, als die Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad vergangene Woche den Osten Aleppos einnahmen und dabei zahlreiche Zivilisten niedermetzelten. Er sprach von einem »Versagen des UN-Sicherheitsrates«. Er sprach von Scham und Wut über das Unvermögen der Vereinten Nationen.

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Aleppo – das neue Ruanda, das neue Srebrenica

Der syrische Bürgerkrieg tobt seit fast sechs Jahren. Regierungstruppen von Baschar al-Assad, Milizen des sogenannten Islamischen Staates und diverse Rebellengruppen - alle haben sie schreckliche Gräueltaten verübt. Seit vielen Monaten erreichen uns aus Syrien schreckliche Bilder, angesichts derer manche abstumpfen, andere resignieren oder sich vor Hilflosigkeit und Schmerz gänzlich abwenden. Die Nachrichten, die dieser Tage aus Aleppo dringen, scheinen den ganzen Horror dieses Krieges wie in einem Brennglas zu bündeln.

Aleppo, die Hauptstadt der islamischen Kultur. Eine der ältesten Zentren der Region, Unesco-Weltkulturerbe, einst Anziehungs- punkt für Reisende aus aller Welt. Aleppo mit der über 700 Jahre alten Mahmandar-Moschee, der mittelalterlichen Zitadelle, der im 12. Jahrhundert gegründeten, islamischen Hochschule. Aleppo – das neue Ruanda, das neue Srebrenica. Noch so ein Ort, der als Ort des Grauens in die Geschichtsbücher eingehen wird. Noch so eine Katastrophe, wie sie doch nie, nie wieder geschehen sollte.

Die Vereinten Nationen haben die Lage in der Stadt als »kompletten Zusammenbruch jeglicher Menschlichkeit« bezeichnet. Aleppo sehe aus wie Berlin nach dem zweiten Weltkrieg, berichten Hilfsorganisationen. Von einem »versammelte Scheitern des menschlichen Anstands«, spricht der ARD-Journalist Georg Schwarte. Zwar konnten um die 3500 Menschen Aleppo in den vergangenen Tagen verlassen und in Bussen evakuiert werden, doch noch immer harren rund 30000 Menschen im Osten der Stadt aus. Am Sonntag hatte sich der UN-Sicherheitsrat auf den Entwurf für eine Resolution geeinigt, die die Entsendung von Uno-Beobachtern nach Aleppo vorsieht. Ob es dazu kommen wird? Die Nachrichten aus Aleppo überschlagen sich, fast stündlich gibt es Neuigkeiten.

Der Papst schreibt an Assad, Syrer posten letzte Botschaften

Aleppo gilt als die am heftigsten umkämpfte Stadt im syrischen Bürgerkrieg. Sie war lange Zeit geteilt: Das Assad-Regime kontrollierte den Westen der Stadt, verschiedene Rebellengruppen den Osten. Vor rund fünf Monaten begann die syrische Armee mit der Belagerung der Rebellengebiete. Seitdem sind die dort lebenden Menschen von der Außenwelt weitestgehend abgeschnitten. Seit Monaten konnte kein einziger Hilfskonvoi die Stadt mehr erreichen, um Medikamente und Nahrung an die eingeschlossene Bevölkerung zu liefern.

Nun hat sogar Papst Franziskus an Assad einen Brief geschrieben und den Schutz von Zivilisten gefordert, den Zugang zu humanitärer Hilfe angemahnt. Doch dass sich der syrische Herrscher von flehenden Worten nicht beeindrucken lässt, zeigte er in den letzten Jahren zur Genüge.

Schon Ende September bezeichnete Ban Ki Moon die Lage in Aleppo als »Schlachthaus«. Seitdem geht das Schlachten unvermindert weiter. Viele Menschen senden über die sozialen Netzwerke letzte Botschaften an die Welt da draußen. Sie wissen, dass sie sterben werden. Zumindest glauben sie, dass sie dieser Hölle nicht mehr entkommen können. So wie Lina Shamy, eine junge Frau, die online ein kurzes Video in englischer Sprache postet. »An alle, die mich hören können«, sagt sie, »wir erleben hier gerade einen Völkermord.« Mit den Worten »Das könnte mein letztes Video sein«, endet ihre Botschaft.

Oder Abdulkafi Alhamdo, ein junger Lehrer aus Aleppo. »Es gibt keinen Platz mehr, an den wir gehen könnten. Nirgendwo ein Ort der Sicherheit«, sagt er in einem Video, das auf Facebook geteilt wird. Und er fasst zusammen, was wohl alle fühlen und denken: »Ich glaube nicht mehr an die Vereinten Nationen. Ich glaube nicht mehr an die internationale Gemeinschaft. Ihr lasst uns hier sterben«. Es ist ein Video, das für viele andere steht, die dieser Tage im Internet zu finden sind. Und es ist herzzerreißend, als er sagt: »Wir wollten Freiheit. Das ist alles. Nun lebe ich die letzten Tage. Vergesst uns nicht.«

So können Sie helfen

Angesichts dieser Lage scheint jede Hilfe nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Das Morden beenden können freilich nur die beteiligten Nationen und Gruppen. Doch die notleidende Bevölkerung braucht jetzt jede Unterstützung. »Dies ist die Stunde der humanitären Hilfe«, sagte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick und wies darauf hin, dass Hilfe auch in jenen Gebieten gebraucht werde, in die die Bewohner Aleppos und der anderen umkämpften Orte geflohen sind. »Die Kirche ist hier sehr aktiv«, so Schick, »aber unsere Hilfswerke brauchen Spender. Auch jeder in Deutschland kann also etwas Konkretes tun, um menschliches Leiden zu lindern.« Neben bekannten Hilfsorganisationen wie Unicef, Worldvision, Ärzte ohne Grenzen, medicooderDiakonie Katastrophenhilfegibt es auch einige kleinere Organisationen, die um Spenden bitten, um den Menschen in Aleppo und anderen umkämpften Städten Syriens helfen zu können. Wir stellen Ihnen fünf davon vor:

Die Barada Syrienhilfe e.V. leistet seit 2012 Hilfe für notleidende Menschen in Syrien. Ihr Leitbild: »Christen und Muslime – Hand in Hand für Syrien«. Dementsprechend will der Verein »mittels der Hilfsprojekte Brücken der interreligiösen Verständigung und des Miteinanders bauen«. Die Barada Syrienhilfe wurde von in Deutschland lebenden Syrern gegründet. Neben medizinischer Versorgung, der Lieferung von Nahrungsmitteln sowie Bildungsprojekten leistet die Barada Syrienhilfe vor Ort auch psychologische Betreuung von Kindern und leitet Gespräche mit traumatisierten Menschen. In Kooperation mit der deutschen Organisation Clowns ohne Grenzen versucht sie außerdem, syrischen Kindern in den Flüchtlingslagern der Region ein paar kostbare Momente der Leichtigkeit und des Lachens zu schenken. Spenden Sie hier.

Die Karam Foundation wurde 2007 von einer Gruppe syrisch-amerikanischer Männer und Frauen in Chicago gegründet. Mitbegründerin Lina Sergie Attar ist Architektin und Schriftstellerin aus Aleppo. Das arabische Wort Karam bedeutet Großzügigkeit. Die Stiftung kümmert sich besonders um die Bildung von Jungen und Mädchen in Syrien. In einem »Familien-Sponsoring-Projekt« sammelt sie Spenden, die Flüchtlingsfamilien zugute kommen, die in Lagern der Region leben. Voraussetzung ist, dass sie ihre Kinder in die Schule schicken. So soll auch vermieden werden, dass die Eltern ihre minderjährigen Töchter aus lauter Not verheiraten. Darüber hinaus leistet die Stiftung direkte humanitäre Hilfe, unter anderem mit dem Programm Milk4Syria, das Säuglingsnahrung bereitstellt. Spenden Sie hier.

Der Verein Hilfe für Aleppo – Hoffnung für Syrien ist eine Initiative aus Passau und baut auf einer privaten Aktion der Deutsch-Syrerin Mouna Sabbagh auf. »Man denkt immer wieder, schlimmer kann es nicht mehr werden – und dann kommt es doch noch schlimmer«, sagt sie. Mithilfe von Spendengeldern hilft der Verein zum Beispiel dabei, zerstörte Wohnungen wieder instand zu setzen, ärztliche Behandlung für Bedürftige zu ermöglichen, Arbeitsgeräte zu reparieren und neue Brunnen zu bauen. Zudem gibt es ein Extra-Programm, durch das geflohene, syrische Studenten in Deutschland unterstützt werden können. In Passau organisiert Hilfe für Aleppo Friedensgebete, Filmberichte und Benefizveranstaltungen. Spenden Sie hier.

Die Syrischen Weißhelme setzen sich aus Freiwilligen in Syrien zusammen, die ihre Mitmenschen nach Bombenangriffen aus den Trümmern zerstörter Gebäude retten. In Friedenszeiten waren sie Bäcker, Schneider, Verkäufer oder Lehrer. Jetzt sind sie Feuerwehrleute, Sanitäter oder Such- und Rettungskräfte. Mit einem dramatischen Appell haben sie, die sich selbst Syrischer Zivilschutz nennen, sich vor wenigen Tagen an die Weltöffentlichkeit gewandt. Darin heißt es mit Blick auf die Eingeschlossenen in Aleppo: »Wir können nicht fassen, dass die mächtigsten Länder dieser Erde es nicht schaffen, hunderttausend Zivilisten in eine sichere Zone zu bringen, die nur vier Kilometer entfernt liegt«. Im September haben die Weißhelme den Alternativen Nobelpreis erhalten. Spenden werden insbesondere für die Ausrüstung benötigt: Für Helme und Feuerlöscher, Rettungsseile, Gasmasken und Erste-Hilfe-Kits, aber auch für die medizinische Behandlung der Helferinnen und Helfer, die bei ihren Einsätzen oft selbst verwundet werden. Spenden Sie hier.

Das Erzbistum Paderborn und der Diözesan-Caritasverband finanzieren Winterbekleidung für syrische Familien. Produziert wurde die Kleidung in einheimischen Schneiderei-Betrieben vor Ort. Rund 6500 Winter-Anoraks wurden diese Woche in Aleppo verteilt. Schwester Annie Demerjian RJM von den Schwestern Jesu und Mariens engagiert sich direkt in Aleppo. Gemeinsam mit ihren Mitschwestern und einem Netz aus Ehrenamtlichen versorgt sie dort Hunderte Familien mit Lebensmitteln, Kleidung und Strom. »Fliehen wollen und können die meisten nicht mehr. Viele sagen: Ich will lieber hier sterben«, berichtet sie. »Wir wollen den Menschen helfen, ihre Wohnungen wiederherzustellen, damit sie wieder etwas zur Ruhe kommen können«, sagt Schwester Annie, die hofft, dass das Blutbad bald ein Ende hat. Spenden Sie hier.

Zusammenarbeit mit Assad?

Auch wenn die Schlacht um Aleppo geschlagen zu sein scheint: Der Krieg ist damit nicht zu Ende. Und für Europa stellt sich nun die Frage: Wie mit dem Immer-noch-Präsidenten Assad umgehen? Bisher wurde er vom Westen geächtet, eine Zusammenarbeit mit dem Diktator ausgeschlossen. Doch an ihm scheint kein Weg vorbei zu führen – auch im Kampf gegen den Terrorismus. Genau das aber war der perfide Plan des Herrschers: Sich selbst als alternativlos darzustellen, als das kleinere Übel. Es könnte sein, dass seine Strategie nun aufgeht.

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Schlagwörter: Helfen Syrien
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