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Ein Ticket ins Freiluft-Gefängnis?

Gaza – gibt es da überhaupt Hotels? Solche Gedanken gehen mir durch den Kopf, bevor ich zu meiner Recherchereise ins Heilige Land aufbreche. Was für ein Blödsinn, denke ich im nächsten Moment. Natürlich gibt es dort Hotels! Ich war noch nie in dieser Region, die aus den Schlagzeilen nicht herauskommt. In dem Land, in dem sich Konflikte entladen, seit ich denken kann...
von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 24.11.2017
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Wehende Flagge vor blauem Himmel: Das Leben im Gaza-Streifen könnte so schön sein. Doch die Menschen, die hier leben, lieben und lachen zwischen Bomben und Grantsplittern. Elisa Rheimheimer-Chabbi geht auf die Suche nach Hoffnung in der Hölle. (Foto: pa/NurPhoto/Momen Faiz)
Wehende Flagge vor blauem Himmel: Das Leben im Gaza-Streifen könnte so schön sein. Doch die Menschen, die hier leben, lieben und lachen zwischen Bomben und Grantsplittern. Elisa Rheimheimer-Chabbi geht auf die Suche nach Hoffnung in der Hölle. (Foto: pa/NurPhoto/Momen Faiz)

Wer bucht schon eine Pauschalreise ins Elend? Aber Unterkünfte muss es dort ja geben, zumindest für die Mitarbeiter westlicher NGOs, für Politiker, die ab und an in den Gazastreifen reisen, und eben für Journalisten. Ich werde mich eine Woche lang im Westjordanland und in Gaza umsehen, gemeinsam mit sieben anderen Journalistinnen und Journalisten deutschsprachiger Medien. Organisiert wird die Reise von der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen.

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Ich war noch nie in dieser Region, die aus den Schlagzeilen nicht herauskommt. In dem Land, in dem sich Konflikte entladen, seit ich denken kann. Israel. Palästina. Gaza. Bilder von Olivenbäumen steigen in mir auf, von Soldaten, die Türen eintreten, von Jugendlichen, die Steine werfen, von weinenden Kindern und alten Leuten, deren Blick leer ist. Ich habe viele Vorurteile und Klischees im Kopf. Welche sich wohl bewahrheiten werden? Sicher, ich weiß, dass in Gaza auch tolle Start-Ups entstehen, dass es im Westjordanland sowohl israelische als auch palästinensische Aktivisten gibt, die sich für Versöhnung einsetzen. Aber in meiner Fantasie überwiegt die düstere Seite, die Besatzung, die Willkür, die Gewalt. Vielleicht zu Unrecht. Ein bisschen hoffe ich das.

Das, was ich über den kleinen Landstrich gehört und gelesen habe, will mir nicht aus dem Kopf. Gaza – das größte Freiluft-Gefängnis der Welt. Gaza – der Streifen Land, den die Vereinten Nationen vor wenigen Monaten »unbewohnbar« nannten. Gaza – die Region, die der israelische Psychologe Mohammed Mansour in der Zeitung Haaretz kürzlich als »Hölle« und »Albtraum« bezeichnete.

Was suche ich dort? Wird es nicht seltsam sein, winzige Einblicke in das bedrückende Schicksal der Menschen zu erhaschen – nur um nach einer Woche wieder zurückzufliegen ins plätzchenduftende Deutschland, in die glitzernde Vorweihnachtszeit?

Ich habe Angst vor dem Gefühl der Ohnmacht

Wenn ich an das Heilige Land denke, kommt mir ein Buch in den Sinn, das ich vor vielen Jahren gelesen habe: »Während die Welt schlief«, ein Roman der palästinensisch-amerikanischen Autorin Susan Abulhawa. Selten hat mich ein Buch so berührt wie diese Familiengeschichte der Vertreibung und Versöhnung, der Liebe und des Leids. Es spielt im Flüchtlingslager Jenin. Auch ich werde in wenigen Tagen in solchen Flüchtlingslagern stehen, in denen die Menschen nun schon seit Generationen leben. Und ich muss zugeben: Mir ist bei dem Gedanken daran etwas mulmig zumute. Weil ich mich fürchte vor dem Gefühl der Hilflosigkeit, das mich vermutlich ergreifen wird, wenn ich dort bin. Es ist ein Unterschied, ob man die Perspektivlosigkeit der Menschen durch den schützenden Fernsehbildschirm hindurch sieht – oder mit eigenen Augen. Wie werde ich umgehen damit? Wer weiß, vielleicht ist es ja auch gar nicht so bedrückend, wie ich mir das jetzt, kurz vor Abflug, ausmale. Schließlich wird auch in einem besetzten Land geliebt und gelacht – oder etwa nicht? Und erreichte uns nicht dieser Tage die positive Nachricht einer vorsichtigen Annäherung zwischen Hamas und Fatah?

Ich will mich auf die Suche machen nach der Hoffnung. Vielleicht ist das ein aberwitziges Unterfangen. Gaza zumindest wird oft als »Land ohne Hoffnung« beschrieben. Aber kann man denn überhaupt leben, ganz ohne Hoffnung? Auch die Flüchtlinge im Westjordanland und in Gaza müssen doch auf einen Streifen Licht am Horizont hoffen, denke ich mir. Was ist für sie der viel besungene »Stern über Bethlehem«? Gibt es etwas, das ihnen leuchtet in dunkler Nacht? Bringen sie etwas zum Leuchten, für andere?

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Personalaudioinformationstext:   Elisa Rheinheimer-Chabbi, Politikredakteurin bei Publik-Forum, macht sich heute auf nach Gaza und ins Westjordanland. Bis zum 1. Dezember schreibt sie ein Online-Tagebuch von ihrer Reise. Lesen Sie täglich darin!
Schlagwörter: Gaza Hoffnung
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