Ricarda Lang
Ricarda Lang, Bundestagsabgeordnete und ehemalige Bundesvorsitzende der Grünen, hat sich für die sogenannte Widerspruchslösung bei der Organspende ausgesprochen, dass also Menschen aktiv widersprechen müssen, wollen sie nicht als mögliche Organspender in Betracht kommen.
»Es ist niemandem zumutbar, gegen seinen Willen zum Spender gemacht zu werden, aber es ist jedem zumutbar, einmal im Leben eine Entscheidung zu treffen«, sagte Lang vor einer Orientierungsdebatte im Bundestag zum Thema dem Sender Phoenix. Derzeit werde allzu oft den Angehörigen die Last der Entscheidung aufgebürdet, so Lang. Viele Menschen seien offen für die Organspende, aber wollten sich mit dem schwierigen Thema schlichtweg nicht auseinandersetzen.
Der SPD-Politiker Lars Castellucci bleibt indes Befürworter der aktuellen Entscheidungslösung, bei der man sich zu Lebzeiten aktiv zu einer Organspende bereiterklären muss. Auch er sei dafür, dass sie jeder einmal im Leben mit dem Thema Organspende beschäftigen müsse. Das lasse sich aber auch ohne Widerspruchslösung umsetzen.
Die Bundestagsabgeordneten berieten in einer zweistündigen Debatte über die Zukunft der Organspende. Anlass waren zwei überparteiliche Anträge zu einer Neuregelung der Organspende. Hintergrund sind die weiterhin niedrigen Spenderzahlen in Deutschland. Eine Gruppe von Abgeordneten will die Widerspruchslösung einführen. Andere wollen zwar bürokratische Hürden abbauen und stärker für Organspenden werben, aber grundsätzlich bei der bestehenden Regelung bleiben.
Vor der Bundestagsdebatte kam Kritik von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Ihr Vorstand Brysch sagte, zum dritten Mal in acht Jahren führe der Bundestag eine Orientierungsdebatte. Anscheinend solle so lange beraten und abgestimmt werden, bis ein passendes Ergebnis vorliege. Neue Argumente fehlten aber.
Brysch sprach sich gegen das Vorhaben aus, eine Widerspruchsregelung einzuführen. Damit würde jeder Bürger zum potenziellen Organspender, der nicht ausdrücklich widersprochen hat. Brysch betonte, Eingriffe in die körperliche Unversehrtheit dürfe es ohne Zustimmung der Betroffenen niemals geben. Es sei ein Irrglaube, dass sich mit der Widerspruchslösung die Zahl der Organspender erhöhen ließe.

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