Marcel Fratzscher
Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), hat sich für flexiblere Ladenöffnungszeiten an Sonntagen ausgesprochen. Eine begrenzte Freigabe sei richtig, »weil sie den stationären Einzelhandel im Wettbewerb mit digitalen Angeboten stärkt und Innenstädte beleben kann.« Gerade kleinere Geschäfte bräuchten mehr Flexibilität, um im Wettbewerb mit Online-Plattformen bestehen zu können.
Fratzscher betonte in der »Rheinischen Post« weiter, Sonntagsöffnungen könnten auch die soziale Teilhabe stärken, »weil Innenstädte wieder stärker zu Orten der Begegnung und des öffentlichen Lebens werden.« Mehr Ladenöffnung dürfe aber nicht zu Lasten der Beschäftigten gehen. »Sonntagsarbeit muss fair bezahlt und klar geregelt sein.«
Die Debatte um Öffnungszeiten am Sonntag hatte mit Ankündigungen der Bundesregierung begonnen, Bäckereien, Konditoreien und Bibliotheken mehr Freiheit einzuräumen. Darauf verlangte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE), Stefan Genth, für seine Branche generell die Möglichkeit, sonntags die Läden zu öffnen. Einkaufen sei ja auch Freizeiterlebnis.
Widerspruch kam umgehend aus Kirchenkreisen. Ein Sprecher der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sagte, der freie Sonntag sei »für die Gesellschaft als Ganzes« wertvoll: »Der Sonntag schafft Raum für Familie, Freundschaften, Nachbarschaft und Ehrenamt. Gerade in Krisenzeiten stärkt das den Zusammenhalt und gibt Menschen Kraft.«
Auch die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung äußerte Kritik. Der HDE-Geschäftsführer lasse außer Acht, dass alle im Einzelhandel Beschäftigten »auf den Freizeitspaß am Sonntag werden verzichten müssen«. Insbesondere kleine und inhabergeführte Geschäfte könnten diese Sonntagsöffnung kaum leisten. »Hinzu kommt: Zusätzliche Ladenöffnungen schaffen keine zusätzliche Kaufkraft – sie verteilen den Konsum lediglich auf mehr Stunden und Tage.« Der einkaufsfreie Sonntag, so die KAB, sei »die notwendige Atempause – für Beschäftigte und Verbraucher:innen, für Umwelt und Klima«.

Personen und Konflikte