Lea Ypi
Lea Ypi, Philosophin, Schriftstellerin und Politologin, erhält dieses Jahr den Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken. Ypi wurde vor 47 Jahren im diktatorisch regierten, abgeschlossenen und stalinistischen Albanien geboren. Heute lehrt sie an der London School of Economics und gilt als eine der wichtigsten Denkerinnen der Zeit. In ihren zahlreichen Büchern hat Ypi auch ihre Kindheit sowie die Geschichte ihrer Familie literarisch verarbeitet. Ihre Autobiographie »Frei. Erwachsenwerden am Ende der Geschichte« wurde in Bremen als Theaterstück auf die Bühne gebracht.
Die internationale Jury des Hannah-Arendt-Vereins hebt hervor, Ypi setze sich mit grundlegenden Fragen auseinander, die im Zentrum demokratischen Denkens stünden: Freiheit, Wahrheit, Gerechtigkeit, Menschenwürde und Bedingungen politischen Handelns. Sie verstehe es, »politische Erfahrungen unter einem totalitären System mit philosophischer Reflexion und historischer Analyse zu verbinden«. Aus diesem Zusammenspiel entwickele sie eine eigenständige Form politischen Denkens. »Ypis Verständnis politischer Freiheit, das die Freiheit des Einzelnen untrennbar mit der Freiheit anderer Menschen verbindet, leistet einen bedeutenden Beitrag zur gegenwärtigen Demokratietheorie.«
Der Preis wird alljährlich an Menschen verliehen, die auf den Spuren der jüdischen, deutsch-amerikanischen Politologin Hannah Arendt (1906-1975) zu öffentlichem politischem Denken und Handeln beitragen. Das Preisgeld in Höhe von 10 000 Euro stellen die Heinrich-Böll-Stiftung und die Stadt Bremen bereit; verliehen wird die Auszeichnung im Dezember im Bremer Rathaus.

Personen und Konflikte