Karin Prien
Karin Prien, Bundesfamilienministerin und CDU-Politikerin, will Kinder schon im Kita-Alter stärker fördern. Der Förderbedarf soll durch einen verpflichtenden Test für alle Vierjährigen ermittelt werden, bei dem die sprachlichen Fähigkeiten und der allgemeine Entwicklungsstand der Kinder untersucht werden sollen. Auch Kinder, die keine Kita besuchen, sollen zu diesem Test herangezogen werden. Werden Defizite festgestellt, sollen diese durch gezielte Förderung möglichst bis zum Schulbeginn behoben werden. »Man schaut, was kann ein Kind schon und was sollte es an Kompetenzen noch erwerben, bevor es in die Schule kommt. Das lässt sich in einem so frühen Alter noch korrigieren«, wird die Ministerin in der »Zeit« zitiert.
Prien gesteht ein, dass die Bildungslaufbahn in Deutschland deutlich stärker von der sozialen Herkunft abhängt als in anderen Staaten. Um dem entgegenzuwirken wird im Familienministerium das Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz erarbeitet. Einen Entwurf hatte Prien bereits vorgestellt.
Der Bedarf für eine Frühförderung ist unumstritten, denn viele Kinder sprechen bei ihrer Einschulung schlecht Deutsch oder haben erhebliche Entwicklungsdefizite. Schul-Erzieherinnen und -Pädagoginnen können diese Probleme immer weniger auffangen. Vielfach setzen sich die Schwierigkeiten der Schüler bis in die weiterführenden Schulen fort, so dass nicht wenige die Schule ohne Abschluss verlassen.
Wohlfahrtsverbände begrüßen den Vorstoß Priens. Bei der Umsetzung sehen sie jedoch erhebliche Hindernisse. Der Paritätische Gesamtverband etwa weist daraufhin, dass zwei Drittel aller Kitas schon jetzt unter erheblichem Personalmangel leiden. Im Kita-Bericht des Verbandes heißt es, zusätzliche Aufgaben müssten mit einer deutlichen Verbesserung des Betreuungsschlüssels, also mit einer Aufstockung des Personals verbunden werden.
Priens Initiative sieht die Finanzierung zusätzlicher Kräfte vor allem dort vor, wo besonders viele Kinder mit Förderbedarf leben. Das Ministerium spricht von Kindern, die » in schwierigen Lebensumständen aufwachsen«. Gemeint sind Kinder aus finanziell schwachen Haushalten und aus Familien, in denen Kinder nicht mit Deutsch als Muttersprache aufwachsen.
Laut dem Gesetzentwurf sollen ab kommenden Jahr bis 2034 mehr als neun Milliarden Euro in die Förderung gesteckt werden. Grüne und Linkspartei werfen Prien indes Etikettenschwindel vor. 2025 und 2026 seien jeweils rund zwei Milliarden Euro für die Qualitätsförderung an Kitas ausgegeben worden, hieß es von Politikerinnen der Parteien. Rechne man die neun Milliarden Euro aufs Jahr herunter, seien es ab 2027 deutlich weniger. Tatsächlich werde die Förderung demnach zurückgefahren.

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