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Hatun Sürücü

Als Opfer eines »Ehrenmords« wird der jungen Berlinerin aus türkisch-kurdischer Familie ein Ehrengrab zuerkannt.
vom 30.05.2026
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Hatun Sürücü (Foto: pa/dpaweb/ Andreas Altwein)
Hatun Sürücü (Foto: pa/dpaweb/ Andreas Altwein)

Hatun Sürücü, Berlinerin mit kurdischen Wurzeln, die im Alter von 23 Jahren von einem ihrer Brüder auf offener Straße erschossen wurde, hat nun auf Senatsbeschluss ein Ehrengrab zuerkannt bekommen. An dessen Einweihung nahm auch der Regierende Bürgermeister, Kai Wegner (CDU), teil. Auf einer Gedenktafel steht: »Stellvertretend für alle Frauen, die sich Zwang und Unterwerfung widersetzten, weil sie ein selbstbestimmtes Leben führen wollten und aufgrund dessen Opfer von Gewalt wurden.«

Der »Ehrenmord« an Sürücü am 7. Februar 2005 in Berlin-Tempelhof hatte für bundesweites Entsetzen gesorgt. Die junge Frau hatte versucht, sich ein selbständiges, von türkischen, konservativ-islamischen und familiären Traditionen unabhängiges Leben aufzubauen.

Hatun Sürücü war mit fünf Brüdern und drei Schwestern in Kreuzberg aufgewachsen. Nachdem sie sich immer mehr gegen ihre Familie aufgelehnt hatte, wurde sie im Alter von 16 Jahren mit einem Cousin in Istanbul zwangsverheiratet. Von ihm wurde sie 1999 schwanger. Nach einem Streit mit ihm und der strenggläubigen Familie kehrte sie alleine nach Berlin zurück, wo sie ihren Sohn zur Welt brachte.

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Im Oktober 1999 zog Sürücü aus ihrem Elternhaus aus, legte ihr Kopftuch ab und fand in einem Wohnheim für minderjährige Mütter Zuflucht. Dort holte sie ihren Hauptschulabschluss nach. Später begann sie eine Lehre als Elektroinstallateurin. Zur Zeit ihrer Ermordung stand sie nur wenige Tage vor der Gesellenprüfung. Danach strebte sie ein Fachabitur an, hielt aber, weil sie weiterhin von der Familie akzeptiert werden wollte, Kontakt zu Eltern und Geschwistern.

In einem Streit mit ihrem damals 19-jährigen Bruder Ayhan forderte dieser sie auf, ihre »Sünden« zu bereuen; danach ermordete er sie mit drei Kopfschüssen. Unter den drei tatverdächtigen Brüdern war Ayhan der einzige, der im Prozess ein Geständnis ablegte. Eine Mittäterschaft seiner Brüder bestritt er. Er wurde nach Jugendstrafrecht wegen Mordes zu einer Haft von neun Jahren und drei Monaten verurteilt und später in die Türkei abgeschoben.

Mit Ehrengräbern würdigt das Land Berlin Personen, deren »Andenken in der Öffentlichkeit fortlebt«. Nach Hatun Sürücü ist in Berlin bereits eine Brücke über die Stadtautobahn A 100 benannt. Ferner erinnern an sie ein Gedenkstein und ein Fußballplatz am Poststadion.

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