Vermögenssteuer
Eigentum verpflichtet
Marlene Engelhorn wird mal Geld erben, viel Geld, für das sie nicht gearbeitet hat und das sie nicht versteuern muss. Das passt der Germanistik-Studentin und Nachfahrin von BASF-Gründer Friedrich Engelhorn nicht. Nun sagen bestimmt viele: Kein Problem, kann sie doch spenden. Genau das zu tun, hat sie auch schon angekündigt: Neunzig Prozent des voraussichtlich zweistelligen Millionenbetrags, den sie mal erben wird, will sie demnach spenden. Aber das sei nicht die Lösung, sagt Engelhorn. Ihr geht es nicht um Spenden nach eigenem Belieben. Sie will gesetzliche Vorgaben und setzt sich deshalb für die Einführung einer globalen Vermögenssteuer ein. »Es gibt Menschen, die mit unglaublichem Vermögen auch unglaubliche Lebenschancen und Macht vererbt bekommen, und dafür – wie ich – überhaupt nichts geleistet haben«, sagt Engelhorn. Mit ihrer Forderung ist die 29-jährige Wienerin nicht allein: Angesichts von Rekordgewinnen vieler Superreicher während der Corona-Pandemie unterzeichneten jüngst mehr als hundert Millionäre und internationale Organisationen einen Aufruf zur Einführung einer globalen Vermögenssteuer. Solch eine Steuer könnte dem Aufruf der Fight In-equality Alliance nach mehr als 2,5 Billionen US-Dollar pro Jahr einbringen. Dafür müssten für Vermögen über fünf Millionen Dollar zwei Prozent, für Vermögen über fünfzig Millionen Dollar drei Prozent und für solche über einer Milliarde Dollar fünf Prozent im Jahr erhoben werden. Mit den Einnahmen könne man 2,3 Milliarden Menschen aus der Armut holen, genügend Impfstoffe für die gesamte Weltbevölkerung herstellen und allen Menschen aus Ländern mit niedrigem und unterem mittleren Einkommen eine allgemeine Gesundheitsversorgung und sozialen Schutz finanzieren. Der Entwicklungsorganisation Oxfam zufolge haben sich die Vermögen der zehn reichsten Männer der Welt seit Beginn der Pandemie mehr als verdoppelt.
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