Zur mobilen Webseite zurückkehren

Romantipp: Sommer auf Perigo Island
Sommer, Meer und das Ende einer Kindheit

In seinem Roman »Sommer auf Perigo Island« erzählt Perry Chafe vom Inselleben vor Neufundland. Doch dann verschwindet ein Mädchen – und der Kabeljau bleibt aus.
von Birgit-Sara Fabianek vom 26.05.2026
Artikel vorlesen lassen

Roman. Der zwölfjährige Pierce lebt auf Perigo Island, einer kleinen Insel vor der Küste Neufundlands. Es ist 1991, und die Jungen verdienen sich ein Taschengeld, indem sie im Hafen warten, bis die Kabeljaufischer anlegen – dann schneiden sie den Fischen die Zungen heraus und verkaufen sie an Touristen. Das klingt seltsam. Auf der Insel ist es alltäglich. Was nicht normal ist: dass der Kabeljau ausbleibt. Dass ein Meeresbiologe auftaucht, der erklärt, moderne Technik mache es möglich, das Meer leer zu fischen. Dass Anna, ein älteres Mädchen vom Festland, eines Tages spurlos verschwindet. Und dass Pierce, seit sein Vater auf See starb, Angst hat, ein Boot zu betreten. Perry Chafe, kanadischer Drehbuchautor, erzählt all das in seinem Romandebüt ohne Effekthascherei, durch die Augen eines Kindes, dessen Blick von Trauer um den Vater getrübt ist. »Sommer auf Perigo Island« ist kein Thriller, auch wenn ein Mädchen verschwindet und die Kinder auf eigene Faust suchen. Es ist eher das, was man einen Inselroman nennen könnte: eine Geschichte, in der die Landschaft nicht Kulisse ist, sondern die Stimmung trägt. Das Meer ist zugleich Grab des Vaters und Sehnsuchtsort, Lebensgrundlage und Bedrohung. Die Eisberge vor der Küste leuchten weiß mit blauen Streifen, 15 Stockwerke hoch. Für Emily aus New York sind sie ein Wunder, für Pierce so alltäglich wie Wolken. Am Ende fährt ein gereifter Pierce mit seinen Freunden hinaus aufs Meer. Sie haben das alte Boot des Vaters wieder flottgemacht, fangen einen Fisch, braten ihn an Bord und erzählen sich Geschichten, bis die Sonne untergeht. »Und meine Angst vor dem Meer war endgültig verflogen.« Man glaubt es ihm.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 10/2026 vom 29.05.2026, Seite 54
Das Schweigen der Männer
Das Schweigen der Männer
Gewalt gegen Frauen geht alle an
4 Wochen freier Zugang zu allen PF+ Artikeln inklusive E-Paper
Kommentare und Leserbriefe
Ihr Kommentar
Noch 1000 Zeichen
Wenn Sie auf "Absenden" klicken, wird Ihr Kommentar ohne weitere Bestätigung an Publik-Forum.de verschickt. Sie erhalten per E-Mail nochmals eine Bestätigung. Der Kommentar wird veröffentlicht, sobald die Redaktion ihn freigeschaltet hat. Auch hierzu erhalten Sie ein E-Mail. Siehe dazu auch Datenschutzerklärung (Öffnet in einem neuen Tab).

Mit Absenden des Kommentars stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten zur Bearbeitung des Kommentars zu. Zum Text Ihres Kommentars wird auch Ihr Name gespeichert und veröffentlicht. Die E-Mail-Adresse wird für die Bestätigung der Bearbeitung genutzt. Dieser Einwilligung können Sie jederzeit widersprechen. Senden Sie dazu eine E-Mail an [email protected].

Jeder Artikel kann vom Tag seiner Veröffentlichung an zwei Wochen lang kommentiert werden. Publik-Forum.de behält sich vor, beleidigende, rassistische oder aus anderen Gründen inakzeptabele Beiträge nicht zu publizieren. Siehe dazu auch Netiquette (Öffnet in einem neuen Tab).
Publik-Forum
Publik-Forum
Einen Moment bitte...
0:000:00
1.0