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Günter Grass ist tot

In seiner Kindheit in Danzig geprägt von einem vorkonziliaren Katholizismus, war Grass einer der schärfsten Kritiker der Kirche. »Sie war aus seiner Sicht Instrument einer repressiven Ideologie«, sagt der Theologe und Literaturwissenschaftler Karl-Josef Kuschel. Friedrich Schorlemmer sieht Grass´ Verhältnis zur Kirche ähnlich. Trotzdem sagt er über den heute verstorbenen Schriftsteller: »Er trug nicht das Evangelium vor sich her. Aber das Prophetische.«
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»Grass scheute schon in seinem Erstling und späteren Welterfolg Die Blechtrommel vor blasphemischer Tabuverletzung nicht zurück. Auf der anderen Seite hatte sein Schreiben eine jesuanische Dimension, insofern es sich mit den Schwachen und Marginalisierten identifizierte und wie im Butt verschüttete Dimension einer Geschichte des Weiblichen gegen die Herrschaft des Patriarchat freilegte«, urteilt Kuschel. »Und es hatte eine apokalyptische Dimension, insofern es früher als andere vor einer Selbstvernichtung der Menschheit durch Überrüstung und Umweltzerstörung warnte. So zu lesen in Die Rättin. Seine Stimme, die stets gegen deutschnationale Selbstüberschätzung, Anfälligkeit für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit anging, wird fehlen.«

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