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Glaubwürdig …
Die Kraft hinter der Stille

von Annette Lübbers vom 20.11.2024
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Der Kirche Jesu Christi gehen die Mitglieder aus. Nicht nur, aber auch wegen der Missbrauchsskandale. Aber es gibt noch einen anderen Grund, warum Menschen den Kirchenbänken fernbleiben. Die Kirche hat unter dem alles beherrschenden Einfluss der rein rational ausgerichteten Wissenschaften ihre alten Traditionen weitgehend vergessen. Wir haben vergessen, dass es nicht nur die ostasiatischen Wege der Meditation und der Kontemplation gibt, sondern auch einen christlichen, der weit in die Kirchengeschichte zurückreicht. Ohne Kontemplation, ohne Innenschau, ohne Mystik werden wir als Kirche unseren Weg zum Göttlichen nicht wiederfinden. Die von mir sehr verehrte Teresa von Avila, eine Karmeliterin, hat das einst so zusammengefasst: Die Seele, sagt sie, ist eine innere Burg – Castillo interior. Menschen, die den inneren Weg gehen, durchschreiten in einem längeren Prozess sieben Wohnungen, bis das Göttliche und das Menschliche eins werden. Ohne die Rückkehr in die Stille können wir diesen Prozess nicht beginnen. Es braucht die Stille, in der alles sein darf, auch unsere Schattenseiten. In der Stille lernen wir, alles kommen zu lassen, alles anzuschauen und alles wieder ziehen zu lassen. Ohne Bewertung. Ohne negative Gedanken. Eine Art Schattenarbeit im Sinne C. G. Jungs. Ohne Kontemplation kommen wir nicht zur Ruhe und zur Besinnung. Ohne Kontemplation haben wir keine Chance – nicht als Individuen und nicht als Kirche – in jene tiefen Ebenen unseres Seins zu gelangen, auf der uns spirituelle Erfahrungen zuteilwerden. Wer durch die Stille gegangen ist, erlebt diese große Kraft hinter der Stille, diese eine große Kraft, die unsere Welt und alles Lebendige trägt. Manche Menschen haben das verstanden und suchen diese alten Wege zu beschreiten. Aber oft an Orten jenseits der Kirchenbänke. Kein Wunder, viele Hauptamtliche in der Kirche wissen selbst nicht um diesen Weg und können deshalb auch nicht vermitteln, wie man in die Stille findet. Dabei ist dieser Prozess sehr, sehr wesentlich, um innerlich zu wachsen und zu reifen. Tatsächlich ist Kontemplation nichts Verstaubtes, sondern etwas, das eine ganzheitliche Dynamik beinhaltet und uns auch menschlich weiterbringen kann. Ich betrachte es als meine Aufgabe, beides – Mystik und kontemplative Stille – hinauszutragen und sie Menschen anzubieten, die diesen Weg gehen wollen.

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