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Rufe aus der Zukunft

Wach sein für das, was sich im Leben ergibt
von Matthias Morgenroth vom 28.12.2015
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Ich hatte meinen Wehrdienst hinter mir«, so erzählt Klauß S. »Und hatte am letzten Abend nach guter Soldatenmanier mit den Kameraden gefeiert, war mit schwerem Kopf ins Bett gegangen und saß am nächsten Morgen nach Sammlung aller Kräfte in meinem kleinen Auto – da durchfährt mich ein Satz, und der heißt: Du wirst Pfarrer!« Ausrufezeichen. Widerspruch unmöglich. Ist ja auch keiner leibhaftig anwesend, dem man hätte widersprechen können, so erzählt es Klauß S. So ist er also Pfarrer geworden, evangelischer Pfarrer – und das war schon vor über vierzig Jahren. Eine Vorzeigeberufungsgeschichte aus dem 20. Jahrhundert. Fast wie bei Abraham, der viele Hundert Jahre vor unserer Zeitrechnung nachts in den Sternenhimmel schaute, eine klare Ansage von Gott bekommt und ohne weiter zu fragen loszieht ins Land Unbekannt. Allerdings: Klauß S. hat dann doch weitergefragt. Er ist kein »normaler« Gemeindepfarrer geblieben. Er ist sich auch längst nicht mehr so sicher, wie er denn diese Stimme heute nennen soll, die ihn einst rief. Lange nach dem Theologie-Studium hat ihm der Kontakt mit anderen Religionen, speziell mit den östlichen Traditionen, einen anderen Weg gewiesen und ihn unter einen anderen Himmel gestellt. Er ist Leiter eines Meditationshauses geworden, das die evangelische Kirche in München einige Jahre lang finanziert hat, bevor sie vor der eigenen Courage zurückgeschreckt ist, da dort natürlich nicht nur im christlichen Sinn meditiert wurde.

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