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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2020
Menschen statt Grenzen
Wie eine Feministische Außenpolitik die Welt verändern könnte
Der Inhalt:

»Der sein, der ich schon immer war«

von Michaela Schneider vom 22.03.2020
Pfarrer Sebastian Wolfrum ist transident. Er weiß, dass seine Beziehung zu Gott nicht an einem bestimmten Körper hängt
Auferstanden: Der Pfarrer Sebastian Wolfrum begann seine Hormontherapie bewusst an Ostern  (Foto: epd/Peter)
Auferstanden: Der Pfarrer Sebastian Wolfrum begann seine Hormontherapie bewusst an Ostern (Foto: epd/Peter)

Das Coming-out im Gottesdienst am 29. Oktober 2017 hatte er gut vorbereitet. Er hatte sein Umfeld, den Kirchenvorstand und die Kirchenleitung informiert. Sie hatten sich hinter ihn gestellt und ihm Mut gemacht. Als er an jenem Herbstsonntag über die Sintflut und den neuen Bund mit Gott predigt, wissen nur wenige Gemeindemitglieder, wie persönlich Wolfrum in dem Moment spricht: »Am Ende leuchten die Farben des Regenbogens am Horizont. Ich kenne euch! Spricht Gott. Ich kenne euch von Anfang an. Schließlich habe ich euch geschaffen. Bunt und vielfältig. Wie der Regenbogen.« Am Ende des Gottesdienstes erklärt er der Gemeinde, dass er sich nie als Silke fühlte und fortan als Mann leben wird.

Das Outing erzeugte ein großes Presseecho. Wie die Gemeinde in der unterfränkischen 10 000-Einwohner-Kommune Veitshöchheim nahe Würzburg das wohl aufnehmen würde? Die reagierte überwiegend positiv. Auch die evangelische bayerische Landeskirche geht entspannt mit Transidentität um: Aus der Pfarrerin wurde ein Pfarrer.

Heute wirkt Sebastian Wolfrum glücklich, mit sich selbst und seinem Glauben im Reinen. Im April 2018 hat er mit der Hormontherapie begonnen, bewusst am Ostersonntag. »Ich hatte an Ostern oft das Problem, die Auferstehung zu beschreiben. Dieses Mal wusste ich, wovon ich erzähle.«

Der Weg zum eigenen Selbst war lang. In der Welt des 1971 geborenen Wolfrum, aufgewachsen im Frankenwald, tauchte das Thema Transsexualität schlicht nicht auf. In der Schule erlebte er sich anders als seine Mitschülerinnen. »Ich hatte den Ruf weg als burschikose, maskuline Frau, versuchte mit diesen Stereotypen klarzukommen und mogelte mich irgendwie durch«, sagt er. »Je mehr ich ins Familienalter kam, merkt

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