Wissenschaft & Spiritualität
Wem der Stern aufgeht
Der Stern von Bethlehem, der die Weisen aus dem Morgenland zum Kind in Israel führt, ist bis heute faszinierend, weil er an die uralte Frage rührt, welche Beziehung zwischen dem Kosmos und dem menschlichen Schicksal besteht. Die Datenlage, die das Matthäusevangelium zu diesem Himmelsphänomen bietet, ist allerdings dünn: Die Weisen folgten einem Stern, den sie im Aufgang gesehen hatten. Er ging vor ihnen her und blieb über dem Haus in Bethlehem stehen. Keine Angaben über Zeit oder Himmelsrichtung – und damit astronomisch nicht verwertbar. Kein Wunder, dass es so viele Theorien zu dieser Erscheinung gibt! War es eine Konjunktion von Jupiter und Saturn im Sternbild Fische in den Jahren 6 und 7 vor Christus, wie Johannes Kepler (1571-1630) vermutete? Oder hat sich das Matthäusevangelium am Horoskop des Kaisers Hadrian orientiert? Das zeichnete sich durch eine Bedeckung des Jupiters durch den Mond aus. Flankiert mit einer besonderen Planetenstellung hatte diese Konstellation eine bemerkenswerte Parallele mit einer Konstellation, die es kurz vor der Zeitenwende gegeben hatte. In der Rückschau konnte diese auf Jesus Christus und seine Geburt gedeutet werden. Auf der astronomischen Ebene lässt sich das Rätsel um den Stern von Bethlehem nicht abschließend klären.
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Christoph Gerhard OSB ist Benediktiner und Cellerar in der Abtei Münsterschwarzach und betreibt dort eine Klostersternwarte.
Simon Strotmann, geboren 1988, arbeitet als Experimentalphysiker beim Europäischen Weltraumforschungs- und Technologiezentrum der ESA.

