»Du lässt mich in Ruhe – und ich dich«
Als Kind war ich ein leidenschaftlicher, hoffnungsvoller und dann verzweifelter Beter. Es hieß doch, Gott sieht und hört uns, und gelegentlich erhört er sogar unser Gebet und greift ein in unser manchmal sorgenvolles oder unglückliches Leben. Und wir sollten ihm auch für vieles danken, was er uns täglich an Nahrung, Führung und Freuden schenkte. Aber ich wusste nie, ob er meinen Dank und meine Wünsche und Klagen zur Kenntnis nahm. Ich war verzweifelt, weil er nicht antwortete, keine Zeichen seiner Gegenwart gewährte. Ich wusste also nicht, ob es ihn gab, aber das zu denken war eine Sünde, wider den Heiligen Geist, wie ich später lernte. Also glaubte ich weiter, weil das den Eltern selbstverständlich erschien. Ich spürte es ja, wenn sie mit uns zur Nacht beteten oder wie sie gesenkten Hauptes und andächtiger Stimme mitmurmelten bei den gemeinsamen Gebeten der Gemeinde. Sie schienen im Kontakt mit ihm, und abends am Bett verstand ich: Sie wollten auch mich in Kontakt mit ihm bringen, indem sie mich zu beten lehrten.
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