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Neuer Mut in schweren Zeiten

In Deutschland gibt es prächtige neue Synagogen. Doch wie leben jüdische Gemeinden in einer Zeit, in der ein neuer Antisemitismus droht? Eine Spurensuche in Dresden, München und Mainz
von Thomas Seiterich vom 27.10.2017
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Die Synagoge leuchtet. Das dunkle Grün und Braun und Graublau der Mauern reflektiert das herbstliche Laub im Mainzer Gründerzeitviertel. Doch noch mehr als die Lichtreflexe fasziniert die einzigartige Form und die Außenhaut des Gotteshauses, das wie ein aufgeblättertes Buch genau an jener Stelle errichtet wurde, wo bis zu ihrer Zerstörung in der sogenannten Reichspogromnacht am 9. November 1938 die Mainzer Synagoge gestanden hatte. Zwei Mauerbögen hat man aus den Trümmern aufgerichtet, alles Übrige hat der Kölner Architekt Manuel Herz völlig neu gestaltet. Tausende Rillen, parallele Linien, hineingeritzte und eingekratzte Schriftfragmente durchziehen die Außenhaut – zum Spiegeln gebracht durch die glänzende Keramik der Kacheln. Sie verweisen auf die Bibel und die Schriftkultur Israels. Ein kunstvoll im 21. Jahrhundert gebautes Stück jüdischer Theologie. Das Gebäude soll den jüdisch-liturgischen Begriff »Keduscha«, den Segensspruch für »Heiligung« und »Erhöhung«, sinnlich und anfassbar ausdrücken.

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