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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2019
Was ist heilig?
Der Inhalt:

»Noch nie ist das Gebet ausgefallen«

Christa Kuhl organisiert Sonntag für Sonntag am möglichen Atommüll-Endlager in Gorleben eine ökumenische Andacht

Beim Gorlebener Gebet mache ich seit 2003 mit, gemeinsam mit meinem Mann Hans-Dieter. Das sind 16 glückliche Jahre – in denen wir an jedem Sonntagnachmittag immer um zwei Uhr Freundinnen und Freunde zur ökumenischen Andacht im Wald treffen. Und nie in all den Jahren ist das Gebet ausgefallen. Nach der Andacht gehen wir gemeinsam ins alte Dorfgasthaus im nahen Gedelitz. Dort erwartet uns die Wirtsfamilie Wiese mit Kaffee, Torten und Kuchen. Sie ist seit mehr als dreißig Jahren, also von Beginn an, gegen das atomare Endlager aktiv. Beim Gorlebener Gebet sind wir in der warmen Jahreszeit im Schnitt zwanzig Teilnehmende, im Winter ein paar weniger.

Von Ostern bis Pfingsten 1988 trugen Anti-Atom-Christen ein Kreuz tausend Kilometer durch Deutschland, von Wackersdorf, dem Ort der geplanten atomaren Wiederaufarbeitungsanlage, nach Gorleben im Wendland. Aus dem Gottesdienst, der bei der Ankunft des Wackersdorfer Kreuzes gefeiert wurde, entwickelte sich dann das Gorlebener Gebet. Jüngst, am 7. Juni, haben wir mit 350 Mitbetenden den dreißigsten Geburtstag des Gorlebener Gebets gefeiert, mit dem Journalisten und Theologen Franz Alt als Gastprediger. Das Kreuz aus Wackersdorf steht auf einer Lichtung im Forst. Dort halten wir die Andachten. Eine Schneise öffnet den Blick auf den hundert Meter entfernten, umzäunten Bauplatz des Endlagers. Andreas Graf Bernstorff, der seit 1978 konsequent keinen Quadratmeter Land an die Atomindustrie verkauft, sondern sich am Widerstand beteiligt, stellt uns den Platz zur Verfügung.

Jedes Gebet ist anders, doch es gibt ein festes Gerüst: Inhaltlich geht es um die atomare Bedrohung, um das Leid an Brennpunkten der Welt, also um Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung und Frie