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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2012
Heilsame Netze
Warum wir andere Menschen brauchen
Der Inhalt:

»Die Ukraine ist kein Bordell«

Anna Huzol ist Kopf der Gruppe »Femen«, die nackt gegen die Unterdrückung der Frauen protestiert – auch zur EURO 2012

Es hatte wieder Streit gegeben. Laute Anschuldigungen. »Warum, Anetschka? Warum nur machst du das?«, fragten die Mutter, die Großmutter. »Warum, Mama, macht ihr nichts?« Anna Huzol kannte die Sätze auswendig, sie hatte sie oft gehört, oft geführt, diese immer gleiche Diskussion. Die Lust auf Worte schwand, sie wollte Taten – damit die ganze Welt sieht, wie sie leben, die ukrainischen Frauen, die Großmutter, die Mutter, ja auch sie selbst: Anna, das Mädchen mit den kurzen roten Haaren, das auf Wunsch der Mutter Wirtschaftswissenschaften studierte, aber damit nie etwas anfangen konnte. Sie wollte auf Ausbeutung hinweisen, auf die Ungleichheit, auf Korruption und Frauenrechte. Sie wollte sich schlicht emanzipieren. Mutter und Großmutter wollten einen Mann für sie.

Anna Huzol, sie ist jetzt 27, nennt sich Neufeministin und ist der Kopf der ukrainischen Nacktprotestgruppe Femen. Ausziehen aber ist nicht ihr Ding. Sie ist die Unsichtbare hinter den jungen, hübschen Frauen, die ihre Schönheit ausstellen, mit wasserstoffblondem Haar, hohen Schuhen. Sie ist die Ruhige hinter den lauten Parolen gegen all das Böse und Schlechte in der Welt. Sie sucht nach Sponsoren, treibt Anwälte auf. Die Strafanzeigen gegen ihre »Topless-Soldatinnen« häufen sich. Sie tut das in einem Land, in dem Männer im Internet Frauen bestellen, in dem Plakate um junge Frauen werben, denen sie Männer in Westeuropa und den USA versprechen, in einem Land, in dem Prostitution verboten ist.

Im Kiewer Zentrum haben die Femen-Aktivistinnen erst vor Kurzem ihr neues Büro bezogen, drei Räumchen im Keller. An die Wand haben sie den Menschen nach Leonardo da Vinci gezeichnet – als Frau. Daneben steht: »Sie kam