Ausstellung: Phänomen Bachfest
Johann Sebastian Bach und seine Fan-Gemeinde
Ausstellung. Propaganda für Bach – das war das Ziel der Neuen Bachgesellschaft (NBG), als sie 1901 das erste Bachfest in Berlin veranstaltete. Damals war das Werk von Johann Sebastian Bach in Musikerkreisen hochgeschätzt, doch das breite Publikum wusste wenig von seinen Oratorien und Kantaten.
125 Jahre später blickt eine neue Ausstellung im Bachhaus Eisenach auf die Geschichte und Gegenwart der Bachfeste. So findet im Juni bereits das 100. NBG-Bachfest statt, diesmal in Leipzig. Außerdem gibt es weltweit mehr als 80 weitere Bachfeste, von Rostock bis Ulm, von Estland bis Malaysia. »Keinem anderen Musiker sind so viele regelmäßige Reihen gewidmet«, sagt Jörg Hansen, Direktor des Bachhauses. Er hat Plakate, Programmhefte, Dokumente (darunter ein Brief von Albert Schweitzer) und Fotos gesammelt. An Hörstationen kann man unterschiedliche Bach-Interpretationen aus mehreren Jahrzehnten erleben.
Auf Texttafeln erfährt man auch einiges darüber, wie Bach im Laufe der Zeit aus verschiedenen Richtungen politisch vereinnahmt wurde. Adolf Hitler wurde 1935 in Leipzig als Ehrengast bei der Eröffnung des NBG-Bachfestes vom Publikum begeistert begrüßt. Auf dem Fest 1950 in Leipzig sprach DDR-Staatspräsident Wilhelm Pieck von Bach als »Sohn der Werktätigen«. Im selben Jahr betonte Bundespräsident Theodor Heuss auf dem Bachfest in Göttingen die besondere kulturelle und religiöse Bedeutung des Werks von Bach. Schließlich einigte man sich in der Neuen Bachgesellschaft darauf, jährlich abwechselnd in Ost und West Bachfeste zu veranstalten. Der Einfluss der SED-Kulturpolitik sorgte dafür, dass in der DDR immer weniger geistliche Werke Bachs erklangen.
Und heute? »Einzelne Bachtage sind eingeschlafen, vor allem, wenn sich keine Nachfolger für die einstigen Initiatoren fanden. Auf der anderen Seite gibt es immer wieder Neugründungen. Bach ist populärer denn je«, sagt Hansen.

