Missbrauch bei den Franziskanern
Und keiner sagte ein Wort
Das Fazit ist bitter: Die Franziskaner in Deutschland haben im Umgang mit Missbrauch versagt. Sie haben Opfer ignoriert, Täter gedeckt und Aufarbeitung verschleppt. Bei der Vorstellung einer 450 Seiten starken Studie in München hat Provinzial Markus Fuhrmann dieses Versagen eingeräumt und die Betroffenen um Vergebung gebeten. Ein Verschweigen solcher Verbrechen »darf es nie wieder geben«.
Die vom Institut für Praxisforschung und Projektberatung erstellte Studie identifizierte 98 Ordensmänner, die sich teils schweren Missbrauchs schuldig gemacht haben. Dies entspreche einer Quote von etwa vier Prozent. Das Dunkelfeld sei jedoch »um ein Vielfaches größer«, betonte der Leiter der Studie, Peter Caspari. Die meisten Übergriffe ereigneten sich im ordenseigenen Internat Vossenack in der Eifel. Betroffen waren überwiegend Jungen im vorpubertären Alter.
Obwohl im Konvent dort viele von Gerüchten um Missbrauch und konkreten Anschuldigungen gewusst hätten, sei in keinem einzigen Fall irgendein Mitbruder eingeschritten. Bei einem Verdacht der Eltern hätte der Orden sich abweisend verhalten. Bis 2011 hätten sich Ordensverantwortliche in keiner Weise für das Schicksal Betroffener interessiert; bis 2010 sei auch kein einziges Strafverfahren und keine kirchenrechtliche Sanktion gegen einen Täter veranlasst worden, sagte Caspari.




