Kirchenkonflikt
Armenische Bischöfe tagen in Österreich

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte haben sich die Bischöfe Armeniens nicht in Etschmiadsin getroffen, sondern im österreichischen Sankt Pölten. Hintergrund ist ein massiver Konflikt zwischen Staat und Kirche zu Hause. Das Oberhaupt der armenischen Kirche, Katholikos Karekin II., macht den Premierminister des Landes, Nikol Paschinjan, mitverantwortlich für die Vertreibung von mehr als 100 000 Armeniern aus Berg-Karabach. Aserbaidschan hatte im Herbst 2023 in einem Blitzkrieg die christliche Enklave annektiert und treibt dort eine Islamisierung voran. Der proeuropäisch eingestellte Premier Paschinjan wirft Karekin seinerseits Landesverrat vor. Die armenische Kirche pflege enge Beziehungen zu Russland und sei vom russischen Geheimdienst durchsetzt. Andersdenkende Bischöfe würden in den Laienstand versetzt oder der Häresie beschuldigt. Russland, die traditionelle Schutzmacht Armeniens, hatte sich im Konflikt um Berg-Karabach zurückgehalten. Die in St. Pölten versammelten, überwiegend in der Diaspora tätigen Bischöfe sprachen von einer Kirchenverfolgung. Aus Armenien konnten nur zwei Bischöfe anreisen, sodass keine kirchenrechtlichen Beschlüsse gefasst werden konnten. Man verwahre sich gegen den Vorwurf, ausländische Mächte zu unterstützen, heißt es in einer Erklärung.




