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Mythen in der Sozialdebatte
Wird der Sozialstaat wirklich kaputtgespart?

Die Mittelschicht geht vor die Hunde – solche Mythen halten sich hartnäckig, nur stimmen sie oft nicht. Es wäre schon viel gewonnen, wenn wir uns über die richtigen Probleme aufregten.
von Georg Cremer vom 04.03.2026
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(Zeichnung: Thomas Plassmann)
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Das gilt als sicher: Die Armen werden immer ärmer. Die soziale Schere geht immer weiter auseinander. Die Mittelschicht schrumpft. Die Bewältigung von Lebensrisiken wird immer mehr dem Einzelnen überlassen. Aber stimmt das alles auch? Die Debatte zu Sozialstaat und Sozialpolitik wird geprägt durch zahlreiche Mythen oder Halbwahrheiten. Sie gelten als so selbstevident, dass sie keiner Überprüfung oder Differenzierung zu bedürfen scheinen. In der gegenwärtigen Debatte um die Zukunft des Sozialstaats spielen diese Mythen eine wichtige Rolle: bei denen, die den Status quo erhalten wollen, wie bei jenen, die, zumindest rhetorisch, die Kettensäge schwingen. Einige dieser Mythen sollen hier kritisch hinterfragt werden. Oft enthalten sie ein Korn Wahrheit, weil sie reale Probleme der sozialstaatlichen Sicherung ansprechen, die e

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Christa Proissl 27.03.2026:
Im Artikel »Wird der Sozialstaat kaputtgespart?« bezeichnet Georg Cremer einige Aussagen als Mythen, die für mich statistisch belegt sind. In Deutschland besitzen 50 Prozent der Bevölkerung nur 1,3 Prozent des Reichtums. Dagegen besitzen 840 000, also 1 Prozent, 18 Prozent des Gesamtvermögens. Zur Mittelschicht würde ich die 40 Prozent zählen, die 42,7 Prozent des Gesamtvermögens haben. Es fehlen noch 9 Prozent, die zu den Reichen gehören mit einem Anteil von 38 Prozent. Somit haben die oberen 10 Prozent einen Anteil von 56 Prozent des Gesamtvermögens. Darin sehe ich schon eine Schere, die auseinandergeht. Gleichzeitig heißt es, wir sollen mehr arbeiten, flexibler für Überstunden bereitstehen, uns weniger krank melden und möglichst unseren Zahnersatz selbst bezahlen, um die Krankenkasse zu entlasten. Von der ärmeren Hälfte werden Einschränkungen gefordert. Wenn es um das reichste eine Prozent geht, wird die Politik sehr vorsichtig. Eine Erbschafts- oder höhere Vermögenssteuer könnte zu Kapitalflucht führen, heißt es.

Roger Peltzer 27.03.2026:
Um die existierenden Probleme unserer Sozialsysteme zu lösen, bedarf es keineswegs der Abrissbirne. Ein Beispiel: Die Krankenkassen geben jährlich 300 Milliarden für die Gesundheit ihrer Versicherten aus. Das für 2026 prognostizierte Defizit der Kassen beträgt demgegenüber zehn Milliarden, sprich 0,3 Prozent der Ausgaben. Die notwendigen Einsparungen werden also auch nicht ansatzweise unser solidarisches Gesundheitssystem infrage stellen. Die Aufgabe ist lösbar. Wichtig ist aber, dass es gerecht zugeht. Die eine oder andere Leistungskürzung muss mit Maßnahmen einhergehen, die die starken Schultern unserer Gesellschaft belasten. Dazu gehört zweifelsohne eine Reform der Erbschaftssteuer.

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