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Publik-Forum, Heft 2/2020
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»Meine Träume sind tot«

von Britta Baas vom 21.02.2020
Sozialprotokoll: Die Iranerin Saida M. (35) forscht an einer deutschen Uni. Täglich denkt sie an ihre Familie, die im Iran verzweifelt
Saida M. blickt in eine ungewisse Zukunft: »Ich fühle Wut, Trauer und Angst.« (Foto: privat)
Saida M. blickt in eine ungewisse Zukunft: »Ich fühle Wut, Trauer und Angst.« (Foto: privat)

Seit mehreren Monaten bin ich in Deutschland. Ich habe ein Forschungsstipendium, mit dem ich meine Doktorarbeit vorantreibe. Das ist wunderbar! Ich arbeite viel, aber in den letzten Wochen ist es mir schwergefallen, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren – und nicht auf die Nachrichten.

Anfang Januar saß ich fast ununterbrochen vor dem Computer, um bloß keine Neuigkeit aus dem Iran zu verpassen. In jener Nacht, in der General Soleimani von den Amerikanern gezielt getötet wurde, habe ich gedacht: Jetzt wird es Krieg geben. Ein paar Tage später kam dann die Nachricht vom Abschuss des ukrainischen Passagierflugzeugs mit so vielen Toten. Es war schrecklich. Ich dachte: Jetzt werden uns alle hassen. Wer wird noch unterscheiden zwischen Iranern mit verschiedenen Ansichten, verschiedenen Leben? Ich war voller Angst. Jetzt ist es ein bisschen ruhiger, aber man weiß nicht, ob es die Ruhe vor dem Sturm ist.

Bei meinem letzten Besuch im Iran, im November, war alles ganz okay. Am Tag vor meiner Rückreise nach Deutschland habe ich erstmals von dem Insulinmangel in den Apotheken erfahren. Das hat mich sehr bedrückt, weil mein siebenjähriger Neffe Diabetiker ist und ohne Insulinspritzen nicht überleben kann. Ich habe darüber nachgedacht, was ich für ihn tun kann. Er hat so viel Angst, dass es eines Tages keine Medizin für ihn gibt. So ähnlich ist das wohl auch für viele andere Menschen, die mit einer chronischen Erkrankung leben und wegen der Wirtschaftssanktionen Probleme bekommen.

Kaum war ich zurück in Deutschland, waren die Verbindungen in den Iran wie abgeschnitten. Ich habe versucht, meine Familie anzurufen – aber es ging nicht. Am nächsten Tag merkte ich, dass man den Iran per Internet

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