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Reformation am Rande

von Michael Schrom vom 29.01.2016
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Ein ganzes Jahrzehnt hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) als Vorbereitungszeit für das Reforma tionsjubiläum ausgerufen. Nun tritt die »Lutherdekade« in ihre heiße Phase. 2017 jährt sich zum 500. Mal der »Thesenanschlag«. In vielerlei Hinsicht unterscheidet sich das kommende Lutherjubiläum von seinen Vorgängern. Margot Käßmann, die Botschafterin des Reformationsjubiläums, nennt fünf Punkte. Erstens: die Ökumene. »So wie die Kirchen ihre Lehre heute formulieren, werden sie von den Verwerfungen des 16. Jahrhunderts nicht getroffen.« Das ist eine kostbare Frucht nach hundert Jahren ökumenischer Bewegung. Zweitens: Es ist das erste Gedenkjubiläum nach dem Holocaust. Auf der Synode in Bremen hat Margot Käßmann einen offenen Umgang mit dem fatalen Erbe der Judenfeindschaft Luthers gefordert. Die Lehre aus dem »Versagen der evangelischen Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus« müsse man als Herausforderung mit Blick auf die Muslime sehen: »Wetterte Luther wider die Türken, so leben wir heute gemeinsam in einem Land.« Drittens: die Frauen. Die Mehrheit der evangelischen Kirchen weltweit hat Frauen als Pfarrerinnen und Bischöfinnen akzeptiert. Auch das ist eine Frucht der Reformation, Vorbild für andere Kirchen. Viertens: die Bildung. »Das Reforma tionsjubiläum 2017 ist das erste, das in einer Zeit gefeiert wird, in der die historisch-kritische Methode der Bibelauslegung weitgehend anerkannt ist.« Fünftens: die Freiheit. Zwar ist Luthers Freiheitsverständnis nicht identisch mit dem heutigen Begriff von Freiheit, aber unstrittig ist, dass er eine weitreichende Emanzipationsbewegung ausgelöst hat.

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