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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2019
Attacke von rechts
Wie die AfD im Osten die Kirche spaltet
Der Inhalt:
Sozialprotokoll

»Diese Freiheit!«

von Eva-Maria Lerch vom 14.08.2019
Benedikt Hofmann (21) zieht drei Jahre als Wandergeselle durch die Welt. Morgens weiß er nicht, wo er abends übernachtet
Heute hier, morgen dort: Benedikt Hofmann ist seit acht Monaten auf der Walz (Foto: Lerch)
Heute hier, morgen dort: Benedikt Hofmann ist seit acht Monaten auf der Walz (Foto: Lerch)

Gestern bin ich erst spät in Wetzlar angekommen. Die kleine Stadt lag schon im Dunkeln, und ich wusste noch nicht, wo ich einen Platz zum Schlafen finden würde. Als Wandergeselle bin ich schon von Weitem erkennbar, denn ich trage die traditionelle Kluft und den großen Hut. Geld für Transport und Übernachtung ausgeben darf ich nicht. Ich reise zu Fuß und per Anhalter durch die Welt, arbeite zwischendurch bei verschiedenen Handwerksmeistern und bitte Menschen unterwegs um einen Schlafplatz.

Zuletzt habe ich in Siegen am Bau eines Unterstands mitgearbeitet. Dort wird demnächst ein großes Gesellentreffen stattfinden. Die Tradition der Wanderschaft ist schon 800 Jahre alt. Sie war fast ausgestorben, wird aber zur Zeit immer beliebter. Man schätzt, dass derzeit bis zu 600 Gesellen im deutschsprachigen Raum unterwegs sind, darunter auch ein paar Frauen.

Als ich gestern im Dunkeln hier ankam, hörte ich in der Nähe des Doms Stimmen und Gelächter. Die letzten Gäste eines Gemeindefestes standen noch fröhlich an der Theke. Ich stellte mich ihnen vor und fragte höflich nach einem Quartier für die Nacht. Das ist keineswegs als Betteln zu verstehen: Wir fragen an. Wo man uns aufnimmt, kehren wir ein, essen und trinken, was man uns vorsetzt. Wo man uns abweist, akzeptieren wir das und gehen einfach weiter. Die Leute auf dem Gemeindefest waren aber sehr interessiert und baten ein paar Pfadfinder, mir das Jugendheim aufzuschließen. Sie legten mir auch noch ein paar Isomatten zum Schlafen hin. Auf der Wanderschaft lernt man die unterschiedlichsten Menschen kennen – solche und solche.

Ich bin gelernter Dachdecker und komme aus einem Dorf im Emsland. In der Berufsschule hat mir mein Politiklehrer,

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