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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2019
Abschied von Gandhi
150 Jahre nach seiner Geburt herrschen in Indien Gewalt und Fanatismus
Der Inhalt:

Die Große Seele und die Bergpredigt

von Hermann-Josef Frisch vom 02.10.2019
Vor 150 Jahren wurde Gandhi geboren. Indiens Übervater liebte Jesus – die konkrete Gestalt des Christentums weniger
Neben der Bhagawadgita las er intensiv Bibel und Koran: Gandhi (Foto: Norma Joseph / Alamy Stock Photo)
Neben der Bhagawadgita las er intensiv Bibel und Koran: Gandhi (Foto: Norma Joseph / Alamy Stock Photo)

Während eines Gefängnisaufenthalts im Jahr 1923 schreibt Mohandas Karamchand Gandhi: »In meinen Augen ist Jesus einer der größten Propheten und Lehrer, die der Welt je gegeben worden sind. Meine Zuneigung zu Jesus ist wirklich groß. Seine Lehre, seine Einsicht und sein Opfertod bewegen mich zur Verehrung.« Gandhi war zutiefst im Denken und in der Religion seiner Heimat Indien verwurzelt. Aus den hinduistischen Traditionen entnahm er seinen Glauben an ahimsa, unbedingte Gewaltlosigkeit, die zur Leitlinie seines Wirkens wurde.

Doch Gandhi, der Mahatma – sanskrit für Große Seele –, blickte über seine religiöse Heimat hinaus, er befasste sich intensiv auch mit dem in Indien weit verbreiteten Islam und mit dem Christentum, das er in Südafrika, in England und auch in seiner Heimat kennengelernt hatte. So las er nicht nur die Schriften indischer Tradition, vor allem die Bhagawadgita, die zentrale Schrift des Hinduismus, die ihm Trost und Hoffnung schenkte. Gandhi las auch den Koran und die Bibel und besonders die Evangelien, vor allem die Bergpredigt. Deren Verheißungen »Selig, die keine Gewalt anwenden, selig, die arm sind vor Gott, selig, die Frieden stiften« stimmten mit den Grundzügen seines Handelns und seiner Politik überein. Gandhi war – trotz seiner durchaus problematischen Züge – die Verkörperung der Bergpredigt im indisch-hinduistischen Kontext. Wenn der christliche Glaube nur aus der Botschaft der Bergpredigt bestünde und die Christen auch entsprechend handeln würden, so sagte er, würde er nicht zögern, selbst Christ zu sein.

Dennoch haben Bibel, Jesus und Christentum für Gandhi ein ambivalentes Gesicht. Mit den Schriften des Alten Testaments

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