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Buchbesprechungen

vom 26.05.2026
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Sven Beckert
Kapitalismus
Rowohlt. 1280 Seiten. 42 €

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 10/2026 vom 29.05.2026, Seite 57
Das Schweigen der Männer
Das Schweigen der Männer
Gewalt gegen Frauen geht alle an

Der Kapitalismus in seinen unterschiedlichen Formen durchdringt zunehmend weite Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft. Wer sich über Kapitalismus als globale Bewegung in der Geschichte informieren will, dem sei diese materialreiche und sachkundige Studie des Harvardhistorikers Sven Beckert nachdrücklich empfohlen. Ausführlich und teils drastisch werden die Schattenseiten des Kapitalismus dargestellt, seine frühe Verbindung mit der Sklaverei, vor allem in der Karibik, und die Ausbeutung von Arbeiterinnen und Arbeitern in der Frühphase der industriellen Revolution und in aufkommenden »Schwellenländern« heute. Beckert hebt die weltverändernde Dynamik des globalen Kapitalismus hervor, ausgehend von einzelnen »Inseln« eines frühen Handelskapitalismus. Zu hinterfragen bleibt allerdings ein weites, US-amerikanisches Verständnis von Kapitalismus, das sehr unterschiedliche Phänomene wie Sklaverei und Wohlfahrtsstaat einzubeziehen versucht. Diese dürften soziohistorisch und global eher mit Modellen einer »mixed economy« zu erfassen sein. Norbert Fabian

Klaus-Dieter Neander
Potenziale der
Gewaltfreien Kommunikation

Psychosozial. 250 Seiten. 29,90 €

Gewaltfreie Kommunikation (GFK) ist ein von dem US-amerikanischen Psychologen und Mediator Marshall Rosenberg (1934-2015) entwickelter Kommunikations- und Konfliktlösungsprozess. Klaus-Dieter Neander, selbst Mediator, beschäftigt sich mit der Praxis der GFK in den sozialen Berufen sowie ihren Vorteilen und Grenzen. Es komme darauf an, »Verständnis aufzubauen und Beziehungen zu stärken«. In seinem Fachbuch werden die Methoden und »Glaubenssätze« der GFK ausführlich vorgestellt und erläutert. Es gehe nicht in erster Linie um eine verbesserte Kommunikationstechnik, sondern um eine Änderung der inneren Haltung. Dabei sei das Erspüren und Ausdrücken der eigenen Gefühle ebenso wichtig wie die sensible, empathische Wahrnehmung der Gefühle und Bedürfnisse der anderen. Keine leichte Kost, aber lesenswert für ein interessiertes Fachpublikum. Christine Weber-Herfort

Wolfgang Butzkamm
Die Selbstblockade der Kirchen und ihre Korrektur
August von Goethe Literaturverlag. 336 Seiten. 19,90 €

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Der emeritierte Professor für englische Sprache und »gelegentliche Gottesdienstbesucher« Wolfgang Butzkamm rennt bei der Leserschaft von Publik-Forum mit seinem Buch offene Türen ein. Nach zahlreichen Büchern und Studien über die Widersprüche der Bibel, der Kirchen, ihrer Glaubenslehre und Praxis kann er nicht viel Neues vermelden, sondern lässt die Leserschaft an seiner Kritik über die mangelnde Veränderung teilhaben. Dabei ist vieles bisweilen nicht zu Ende gedacht, zumal er außer Acht lässt, dass es progressive Theologien, Kirchen und Praktiken gibt, auf die seine Kritik nicht zutrifft. Manches erklärt sich aus seinem Eingeständnis, dass er die »Zitate« nicht ganz genau wiedergeben könne, weil er sich aus einem »Denktagebuch« über die Jahre bedient habe und eine veraltete Bibelübersetzung nutze. Jedenfalls liegt ihm viel an den »guten Mächten«, die uns bergen, und an Gemeinden, die Solidarität und »Gerechtigkeit mehren« wollen. Norbert Copray

Christiane Lohmann
Vom Glück einfach loszugehen
Bonifatius. 192 Seiten. 18 €

Diese »Pilgerreise zu mir selbst« ist im Plauderton erzählt, so ähnlich wie zwischen Freundinnen in einem Café. Grundlage ist eine Pilgerwanderung von Hamburg nach Zürich; die Autorin, ehemals Modedesignerin, nun Shiatsu- und Tanztherapeutin, ging wenig vorbereitet los. Ihr Ziel: Sie will zu mehr Frieden und Einklang mit sich selbst kommen. Mit Gewinn schildert sie ihr voraussetzungsloses Erleben und ermutigt auf diese Art gerade jene Menschen, die interessiert, aber religiös nicht sonderlich vorbereitet sind, selbst loszugehen. Umso mehr, als Christiane Lohmann etwas vorlebt: Sie geht auf ihre (im besten Sinne) naive Weise auf Personen und Reisebedingungen ein und zeigt dadurch, wie die Dinge zum pilgernden Menschen in seinem Unterwegssein sprechen. Und wie sie der Pilgerin dabei helfen, ihre persönlichen Mitbringsel ebenso wie ihre Erwartungen zu klären und zu ordnen. A. Martin Steffe

Cay Rademacher
Auf den Spuren von Jesus Christus
Ellert & Richter. 208 Seiten. 19,95 €

Der Autor, Historiker und Journalist Cay Rademacher nähert sich der Person Jesus von Nazaret, gestützt auf historische Erkenntnisse und archäologische Funde. Anschaulich erzählt er vom Alltagsleben unter römischer Besatzung. Er schildert die damaligen gesellschaftspolitischen und religiösen Spannungen und vor diesem Hintergrund das karge Leben im unbedeutenden Bauerndorf Nazaret. Für Rademacher ist Jesus mit seiner »spektakulären, beunruhigenden« und teils »unklaren« Lehre »in jeder Hinsicht eine Randfigur« im riesigen römischen Imperium. Letztlich sei er wegen seiner Kritik am Tempelkult hingerichtet worden, schreibt Rademacher, weil diese einen »Frontalangriff auf die Elite des Judentums« darstellte, was auch die Römer beunruhigte. Der Autor kennt die theologische Diskussion über biblische Widersprüche und Ungereimtheiten, ordnet einige von ihnen ein, nennt Lösungsvorschläge und lässt offene Fragen auch weiter offen. Das bebilderte Buch zeichnet eingängig den »historischen Jesus« und endet beim »Jesus der Evangelien« mit dem »rätselhaften« Auferstehungsglauben als »Urknall des Christentums«. Hartmut Meesmann

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