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Willkommen, Herr Bischof a.D. !

Franz-Peter Tebartz-van Elst zieht nach Regensburg. Das ist wunderbar! In keinem anderen katholischen Bistum in Deutschland könnte er sich wohler fühlen, findet Stefan Aigner. Deshalb schreibt er dem Limburger Bischof außer Dienst, der gerade seine Tasche packt, gleich mal einen Brief ...
von Stefan Aigner vom 14.06.2014
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Nur nicht so schüchtern! Dass Franz-Peter Tebartz-van Elst von Limburg nach Regensburg zieht, findet Stefan Aigner "ganz wunderbar". (Foto: gettyimages/istockphoto/Staras)
Nur nicht so schüchtern! Dass Franz-Peter Tebartz-van Elst von Limburg nach Regensburg zieht, findet Stefan Aigner "ganz wunderbar". (Foto: gettyimages/istockphoto/Staras)

Lieber Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst,

wie ich in dieser Woche erfahren durfte, werden Sie mit Ihrer Familie nach Regensburg ziehen.

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Unmittelbar nachdem diese Nachricht von verschiedenen Medien vermeldet wurde, kam es in Kommentar-Foren und in sozialen Netzwerke zu einer Vielzahl an – schonend ausgedrückt – ablehnenden Meinungsäußerungen.

Ich dagegen möchte Sie herzlich willkommen heißen. Sie passen genau hierher. Und: Sie haben sich keiner Verfehlung schuldig gemacht, die von den Verantwortlichen des nun von Ihnen zur neuen Heimat erkorenen Bistums Regensburg nicht problemlos getoppt werden könnte.

Was soll denn überhaupt so schlimm daran sein, dass Sie in einer per Definition feudalistisch organisierten Institution etwas großzügiger mit Geld umgegangen sind und 31 Millionen in Ihre schöne neue Bischofsresidenz investiert haben? Zumal – das sei am Rande erwähnt – dasBistum Regensburg auch 22 Millionen Euro ausgibt, um sein Ordinariat zu sanieren. Ein bisschen Prunk darf schon sein! Und, ganz ehrlich: Vor ein paar Jahren hätte kein Hahn danach gekräht, wenn Sie sich eine schöne, neue Doppelbadewanne kaufen.

Da ist es schon ungerecht, wenn Sie für etwas, für das Sie früher wahrscheinlich sogar bewundert worden wären, nun bundesweit durch die Medien getrieben, von Gerechten wie Ungerechten beschimpft und schließlich sogar von Papst Franziskus abgesetzt werden –, während ein anderer, Gerhard Ludwig Müller, zum Kardinal und obersten Hüter des katholischen Glaubens im Vatikan befördert wurde.

Genau jener Müller, der als Bischof von Regensburg bundesweite Bekanntheit mit dem Verharmlosen und Leugnen von sexuellem Missbrauch in seinem Bistum erlangt hat. Jener Müller, unter dessen Verantwortung Serienbriefe an Opfer von Gewalt und Missbrauch verschickt wurden, in denen sie der Lüge bezichtigt wurden. Doch statt Kritik und Absetzung folgte die Beförderung gen Rom, wo ihm sogar die Verantwortung für die Aufklärung von sexuellem Missbrauch übertragen wurde.

Lieber Franz-Peter Tebartz-van Elst,

finden Sie das alles nicht ein wenig ungerecht?

Jedoch: Wo so viel Schatten ist, da wächst auch Rettendes heran. Immerhin wird Ihnen die »mitbrüderliche Aufnahme und Gastfreundschaft«, ja auch die Barmherzigkeit des Regensburger Bischofs Rudolf Voderholzer zuteil.

Andere – Gewaltopfer bei den Regensburger Domspatzen zum Beispiel – dürfen darauf nicht hoffen. Sie werden von Herrn Voderholzer wie schon von seinem Vorgänger Müller ignoriert und totgeschwiegen. Eine Aufklärung und Anerkennung des erlittenen Leids wird konsequent verweigert.

Vier von Ihnen – ältere Herren, die aber noch voll im Leben stehen – waren sogar bereit, sich Schilder um den Hals zu hängen, auf denen sie sich als »verprügelt und missbraucht« bezeichneten. Mit diesen Schildern zogen sie durch die Besuchermassen des Katholikentages, der gerade erst in Regensburg stattfand. Sie sprachen von mindesten sechzig Fällen sexuellen Missbrauchs im altehrwürdigen Knabenchor. Die Betroffenen wurden bis heute nicht anerkannt und nicht entschädigt. Das Bistum schweigt. Und Michael Fuchs – der Generalvikar, der die Serienbriefe unterzeichnete, die Betroffene retraumatisierten, die sie auf die Therapeutencouch und ins Krankenhaus brachten – ist nach wie vor im Amt.

Deshalb, lieber Franz-Peter Tebartz-van Elst, kann ich mich weder über Ihren lockeren Umgang mit Geld, noch über Ihren Umzug nach Regensburg empören. Ganz im Gegenteil. Sie passen genau hierher. Sie sind das Sahnehäubchen auf einen Eisberg von Skandalen in diesem Bistum. Und wenn sich dank Ihrer Anwesenheit wieder eine breitere Öffentlichkeit den Zuständen in Regensburg widmet, ja vielleicht sogar der Papst darüber nachdenkt, ob ein verwerflicher Umgang mit Menschen nicht etwas schlimmer ist als das bisschen Verschwendungssucht – dann haben Sie sogar noch etwas Gutes getan.

Ihr Stefan Aigner

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Personalaudioinformationstext:   Stefan Aigner, geboren 1973, arbeitet seit zehn Jahren als Journalist und seit sechs Jahre freischaffend als Herausgeber von www.regensburg-digital.de. Nach dem Abitur war er zunächst Verkäufer, Kneipier, Kurierfahrer und Reisender, studierte dann in München und Regensburg Deutsch, Englisch und Geschichte und schloss das Studium als Magister Artium (M.A.) ab.
Regensburg-digital. de berichtet über Lokal(Politisch)es, das bei anderen Medien gar nicht oder anders vorkommt. Aigner und sein Team haben bereits mehrfach Rechtsstreite gewonnen, darunter 2012 eine Auseinandersetzung mit der Diözese Regensburg. »Überspitzt ausgedrückt besteht unser Portfolio aus Recherchen, Kommentaren und Klagen«, sagt Aigner. Der Tangotänzer mit einem Hang zum Kabarett fühlte sich durch die Nachricht, Tebartz-van Elst ziehe nach Regensburg, zu einem Willkommensbrief motiviert.
Schlagwort: Regensburg
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