Der Scherbenhaufen in Limburg
Publik-Forum.de: Herr Pfarrer Brückmann, vor zwei Jahren hat sich der »Hofheimer Kreis« besorgt über den Führungsstil von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst geäußert. Jetzt fordert er einen Neuanfang im Bistum. Reicht es nicht, dass der Bischof nicht länger im Amt ist?
Alexander Brückmann: Nein, damit ist es nicht getan. Er hat so viel Schaden angerichtet. Das ist ein riesiger Scherbenhaufen. Falsche Entscheidungen und solche, die ohne Rücksprache mit den Gremien und Verantwortlichen des Bistums getroffen wurden, müssen zurückgenommen werden. Wo Mitarbeitern übel mitgespielt worden ist, muss man versuchen, das wieder gutzumachen.
Sie werfen Tebartz-van Elst vor, Unrecht zu verantworten. Welches?
Brückmann: Zusammen mit Generalvikar Franz Kaspar hat er Entscheidungen getroffen, die der rechtlichen Grundlage entbehren. Das hat die Bischöfliche Kommission akribisch in ihrem Bericht herausgearbeitet. Dabei hat er gegen kirchliches Recht verstoßen. Ob auch gegen weltliches, prüft derzeit die Staatsanwaltschaft Limburg.
Welche Entscheidungen müssen zurückgenommen werden?
Brückmann: Über die Leitung priesterloser Gemeinden und über die Großpfarreien »neuen Typs« muss endlich grundsätzlich diskutiert werden. Die Gemeindeleitung durch Laientheologen hatte der Bischof einfach abgeschafft und Gemeinde-Fusionen zum Muss für alle deklariert. Die Dezernenten- und die Plenarkonferenz muss wieder ernst genommen werden, schließlich sitzen dort die Fachleute. Andere Pläne dürfen nicht weiter verfolgt werden: Der Bischof plante den Zugriff auf die Finanzen des Diözesan-Caritasverbands und Umbesetzungen im Diözesan-Kirchensteuerrat.
Ihr Forderungskatalog macht die Zentrierung der Macht bei Bischof und Generalvikar und die Entmachtung von Priesterrat, Dezernenten-Konferenz und synodalen Gremien überdeutlich. Warum haben Sie das nicht schon viel früher angeprangert?
Brückmann: Es ist erschreckend, dass es dem Bischof gelungen ist, sämtliche Kontrollmechanismen wie ein absolutistischer Herrscher außer Kraft zu setzen. Noch erschreckender, dass wir so lange gebraucht haben, das zu erkennen.
Sie regen auch eine Diözesansynode an. Wozu soll diese gut sein?
Brückmann: Sie bringt die Gesamtheit des Bistums dazu, Bestandsaufnahme zu machen und zu formulieren, was wir als Kirche von Limburg wollen. Wie etwa soll es mit den Gemeinden weitergehen, wenn es immer weniger Priester gibt?
