Bedford-Strohm ist neuer EKD-Chef
Auf der EKD-Jahrestagung in Dresden stimmten im ersten Wahlgang 106 Mitglieder von Synode und Kirchenkonferenz für Bedford-Strohm. Es gab 11 Nein-Stimmen und 8 Enthaltungen.
Bedford-Strohm wird die mehr als 23 Millionen Protestanten in Deutschland für die nächsten zwölf Monate repräsentieren, nachdem Nikolaus Schneider sein Amt wegen einer schweren Erkrankung seiner Frau Anne ein Jahr vor Ende der Amtszeit niedergelegt hatte.
Allerdings gilt Bedford-Strohm nun auch als Favorit für die in 2015 anstehende turnusgemäße Wahl, an die sich eine sechsjährige Amtszeit anschließt.
Der neue EKD-Ratsvorsitzende ist seit drei Jahren Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Dem 15 Mitglieder zählenden Rat der EKD gehört Bedford-Strohm seit einem Jahr an. Er war maßgeblich beteiligt an der ökumenischen Sozialinitiative, deren Wortlaut die beiden großen Kirchen Anfang dieses Jahres vorgelegt hatten.
Bedford-Strohm studierte evangelische Theologie in Erlangen, Heidelberg und Berkeley (USA). Er hat Berufserfahrung im Pfarrdienst wie auch als Hochschullehrer, unter anderem als Professor für Systematische Theologie und Gegenwartsfragen in Bamberg. Er ist verheiratet mit der Psychotherapeutin Deborah Bedford-Strohm. Das Paar hat drei Söhne. Unter dem Titel «Wer's glaubt, wird selig» veröffentlichte Bedford-Strohm 2013 ein Glaubensgespräch mit seinem Sohn Jonas.
Sozialethik ist sein großes Thema
Dass seine neuen Aufgaben eine politische Dimension haben werden, steht für Bedford-Strohm außer Frage. Friedensethik, soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz sind Themen, bei denen er die Kirche gefordert sieht.
Im September besuchte er den Nordirak, um sich von der Lage der Christen ein Bild zu machen. Mit diesen Eindrücken prägte er die friedensethische Meinungsbildung in der evangelische Kirche zum Irak-Konflikt maßgeblich mit. Einen Monat später reiste er nach Israel und Palästina, um nach dem Gaza-Krieg aus erster Hand zu erfahren, welche neuen Lösungswege sich in diesem verhärteten Konflikt bieten könnten.
Für das 500. Reformationsjubiläum in drei Jahren wünscht sich der neue Ratsvorsitzende ein Christusfest mit einem weiten ökumenischen und internationalen Horizont. Diese ökumenische Chance solle nicht vertan werden, findet Bedford-Strohm.
Ein Bischof im Netz
Ausgleich und Entspannung findet Bedford-Strohm nach eigenen Worten im Gottesdienst oder beim Meditieren biblischer Texte, die er auch auf seinem Smartphone liest. Wichtig sind ihm die Musik und die Natur und die «Regenerationsquelle» Familie.
Wie kaum ein anderer leitender Geistlicher im deutschen Protestantismus ist Bedford-Strohm in den sozialen Netzwerken präsent. Wenige Tage nach seiner Amtseinführung in Bayern legte sich Bedford-Strohm ein eigenes Facebook-Profil zu. »Ich nehme auch selbst viel mit von der Seite: Ich schreibe mir auf, was an Impulsen und Kommentaren kommt«, sagt er. Seine Seite wird intensiv wahrgenommen: 3.000 Fans zeugen davon.
