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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2017
Neuer Mut in schweren Zeiten
Jüdische Gemeinden in Deutschland
Der Inhalt:

Heiliger Zar! Rasende Wut!

vom 27.10.2017

In Russland tobt ein erbitterter Streit um den Film »Matilda« von Alexej Utschitel. Weil der Film den von Bolschewisten hingerichteten und später als Märtyrer heiliggesprochenen Zaren Nikolaus II. (1894-1917) in erotischen Turbulenzen zeigt und die historisch verbürgte voreheliche Beziehung mit der Ballerina Matilda Kschessinskaja ausschmückt, drohen Monarchisten und fanatische orthodoxe Gläubige mit Gewalt. In Bekennerschreiben heißt es, man werde es nicht hinnehmen, dass die Gefühle der Gläubigen beleidigt werden. Notfalls sei man bereit, für Russland zu sterben. Sollte der Film gezeigt werden, würden Kinos brennen. Der Hauptdarsteller, der deutsche Schauspieler Lars Eidinger, hat daraufhin seine Anwesenheit bei der Premiere abgesagt. Organisiert wird der Protest von der Duma-Abgeordneten Natalja Poklonskaja, die den Film verbieten lassen will und ständig gegen Regisseur und Schauspieler hetzt. Die orthodoxe Kirche sieht dies wohlwollend. Bischof Tichon vom Kulturrat des Moskauer Patriarchats sagte, er könne die Proteste gut verstehen. Auch die muslimischen Führer der Kaukasus-Republiken Tschetschenien und Inguschetien, Ramsan Kadyrow und Junus-bek Jewkurow, fordern ein Verbot. Die russische Generalstaatsanwaltschaft erklärte jedoch, der Film stelle weder eine strafbare Beleidigung religiöser Gefühle dar, noch habe man irgendwelche Anzeichen für eine Anstiftung zu Hass gefunden.

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