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Die Gier, das Geld und das Heil

Luthers Botschaft von der freien Gnade hat die Wirtschaft noch nicht erreicht: Es ist genug für alle da, wenn man es nicht allein nach Marktpreisen verteilt. Ökonomische Gedanken zu den 95 Thesen
von Christoph Fleischmann vom 21.10.2016
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Erstaunlich ist es, wie sehr es dich trifft, wenn ich ein wenig gegen die Habgier angehe. Denn du kannst es geduldiger ertragen, wenn ich gegen die Schrift gekämpft hätte, als wenn ich gegen die Habgier streite.« So schrieb Martin Luther im August 1518 an den Theologen Silvester Mazzolini, genannt Prierias, der im päpstlichen Auftrag ein Gutachten zu Luthers Lehre verfasst hatte. In der Tat war man in Rom alarmiert, dass mit Luthers Thesen die Autorität des Papstes angegriffen wurde, indem die Wirksamkeit der päpstlichen Ablässe infrage gestellt und der Papst mit Habsucht in Verbindung gebracht wurde. Zwar ging es Luther in seinen berühmten 95 Thesen vom Herbst 1517 zuerst um den Ernst der Buße und des christlichen Lebens, den er durch die Ablasspraxis in Gefahr sah. Aber er hat auch den weit verbreiteten Verdacht geteilt, dass es bei der Ausstellung immer neuer Ablässe mehr ums Geld als um das Seelenheil der Menschen gehe: »Die Schätze des Ablasses sind die Netze, mit denen man zur jetzigen Zeit den Reichtum der Menschen fischt.«

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