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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2016
Ein letztes Fest?
Der Protestantismus feiert die Reformation
Der Inhalt:

Aufrecht unterm Himmel

von Matthias Morgenroth vom 23.09.2016

Aufrecht unter dem Himmel – so nannte Jörg Zink eines seiner 200 Bücher. So wollte er sein. Dazu wollte er befähigen: aufrecht, selbstbewusst, in Freiheit, keiner Kirche und keinem Staat verpflichtet, sondern nur Jesus selbst. Sich unter einem Himmel wissen, der viel weiter ist, als kirchlich gemeinhin gesagt wird. Das Bild sagt viel über den stattlichen Mann mit dem weißen Haar, der selbst viel in Bildern gedacht, geschrieben und mit ihnen gearbeitet hat. Durch Print, Fotografie und Filme hat er viele Menschen weit über die Kirchengrenzen geprägt und so ein Stück protestantische Kirchen- und Theologiegeschichte geschrieben. Nicht als Professor oder Bischof, sondern als einer, der sich in aller Freiheit über Gott und die Welt Gedanken macht.

Egal ob man ihm in seinem Arbeitszimmer gegenübersaß oder ihn beim Kirchentag mit vielen Tausenden erlebte – er nahm einen mit ins Gespräch, ins Nachdenken. Er nahm sein Gegenüber ernst. Das hat er schon als junger Pfarrer gemacht, als er zuständig für Jugendarbeit oder für junge Frauen war – auch in der DDR, die keinerlei Sprache mehr für ihre existenziellen Fragen hatte.

Jörg Zink wurde 1922 im Habertshof im hessischen Bergland geboren, wo seine Eltern, selbst schon Visionäre, eine Lebensgemeinschaft auf christlicher Basis gegründet hatten. Das Projekt scheiterte, beide Eltern starben an Auszehrung. Jörg kam zu seiner zweiten Mutter nach Ulm, streunte oft tagelang durch die Wälder der Schwäbischen Alb, sprach mit Tieren und Pflanzen und hatte tiefe mystische Erfahrungen, die er erst später zu deuten vermochte. Mystik – das war für ihn der Weg, den wir gehen müssen, um etwas von dem zu erahnen, was wir Gott nennen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Zink als Flieger mehrfach abgeschossen, sogar über dem Atlantik – und gerettet. Um der Welt des Krieges zu entkommen, ging er in die innere Emigration, lernte die Klassiker der deutschen Geistesgeschichte auswendig und kehrte als radikaler Pazifist und Gottsucher aus dem Gefangenenlager zurück. Die Bergpredigt, so sagte er es wieder und wieder, muss keine Utopie bleiben. Sie ist ein Wegweiser, wie Mechanismen der Macht und Gewalt durchbrochen werden können. Real. Täglich. Politisch.

Zinks Kanzeln waren die Kirchentage, das »Wort zum Sonntag«, die Bücher, in denen er immer wieder neu jene Themen umkreiste, mit denen sich spirituell suchende Christen auseinandersetz

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