»Ich habe keine Angst«
Frau Scherbakowa, in Russland ist es heute durchaus salonfähig, sich als Antisemiten zu bezeichnen, und man scheut sich – anders als in Deutschland – auch nicht, diese Bezeichnung zu verwenden. So etwas wird also durchaus toleriert, auch wenn die Bevölkerung nicht generell als antisemitisch gelten kann. Zugleich herrscht überhaupt ein fremdenfeindliches Klima. Alljährlich, am 4. November, formieren sich in Moskau die Nationalisten lautstark zum »Russischen Marsch«. Überall im Land nehmen gewalttätige Übergriffe zu, besonders auf Kaukasier, oft genug mit Todesfolge; und immer wieder hört man von Bombenanschlägen auf Synagogen. Wie beurteilen Sie die Situation?
Sie haben bereits ein
-Abo? Hier anmelden
Die Autorin, Monika Kemen, ist katholische Theologin und lebte und arbeitete von 1990 bis 1994 und von 2004 bis 2008 als freie Hörfunk-Autorin in Moskau. Sie wurde bekannt durch zahlreiche zeitgeschichtliche Veröffentlichungen. Schwerpunkt ist die Entwicklung der Religionen in der UdSSR und in postsowjetischer Zeit.

