Abschied von der Festung
1. Das Kirchenverständnis
Vor dem Konzil: Die römisch-katholische Kirche wurde in der Theologie und auch im Kirchenvolk verstanden als societas perfecta, als »vollkommene Gesellschaft«. Sie galt als eine Gemeinschaft von Menschen, der nichts fehlt und die darum auch von außen keiner Hilfe bedarf. Diese »vollkommene Gesellschaft« – von Jesus Christus gestiftet und mit einer verbindlichen Ämterordnung und Sakramenten ausgestattet – wird dreistufig geleitet: von Priestern, Bischöfen und dem Papst als Nachfolger des Apostels Petrus. Das Petrusamt macht den Papst weisungsbefugt auch gegenüber den Bischöfen. Sie sind aber – in der Theorie – nicht seine »Beamten«, sondern leiten aus eigenem Recht als Nachfolger der Apostel ihre Bistümer.
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Otto Herrmann Pesch, geboren 1931, war bis zu seiner Emeritierung katholischer Professor für Systematische Theologie am Fachbereich Evangelische Theologie der Universität Hamburg. Sein Buch »Das Zweite Vatikanische Konzil« gilt als Standardwerk. Pesch ist – zusammen mit Richard von Weizsäcker, Frank-Walter Steinmeier, Annette Schavan, Antje Vollmer, Christian Führer, Norbert Lammert und anderen – einer der Erstunterzeichner des Anfang September 2012 öffentlich gemachten Aufrufs »Ökumene jetzt!«. Mehr dazu unter www.oekumene-jetzt.de
