Gemeinde allein zu Haus
Ach wo ist sie bloß, wo habe ich sie nur?« Der Gottesdienst ohne Pfarrer in der evangelischen Gemeinde Oberstedten nahe Frankfurt beginnt mit einer Suche. Eine Frau kommt in die Kirche, in der sich rund einhundert Gläubige versammelt haben, schaut hier hinter die Ohren eines Gottesdienstbesuchers, dort auf eine Schulter und in die Schubladen einer vor Gottesdienstbeginn eigens aufgestellten Kommode. Zwischendurch lässt die Dame immer mal ein Vorurteil fallen, über Biolebensmittel, Männer oder junge Mütter. Was sucht diese Frau bloß? Nicht ihre Brille, wie jeder denkt. Denn als ihr die gebracht wird, stellt sie trocken fest: »Ich suche meine Offenheit. Gestern war sie noch da. Heute ist sie weg.« Das Thema ist damit gesetzt. Zwölf Gottesdienste haben die verschiedenen Gemeindegruppen für die Zeit der Abwesenheit des Pfarrerpaars Fabian Vogt und Miriam Küllmer-Vogt vorbereitet. Jeder greift einen Aspekt des Gemeinde-Leitbildes auf. Es lautet: »Wir wollen eine offene, herzliche und bunte Gemeinde sein, die miteinander Gottes Liebe entdeckt und erlebt.«
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