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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2019
Raus aus der Angst!
Kirchentag 2019. Worauf man vertrauen kann
Der Inhalt:

Sozialprotokoll: »Wir müssen Widerstand leisten«

von Chrissi Wilkens vom 05.07.2019
Der zyperntürkische Dichter Halil Karapasaoglu (33) verweigert den Dienst mit der Waffe. Als er verurteilt wird, solidarisieren sich viele

Als ich vor dem Militärgericht in Nikosia ankam, wo ich als Wehrdienstverweigerer angeklagt war, haben dort viele Menschen auf mich gewartet – Zyperngriechen und Zyperntürken, Unterstützer aus Griechenland und der Türkei. So eine übergreifende, sogar internationale Solidarität hat mich überrascht.

Seit fünf Jahren weigere ich mich, an Reservistenübungen teilzunehmen. Den Wehrdienst habe ich komplett geleistet. Doch Reservist will ich nicht sein. In Nordzypern ist man aber verpflichtet, jedes Jahr daran teilzunehmen. Deswegen musste ich vor das Militärgericht und wurde verurteilt. Meine Frau, meine Eltern und Freunde haben meine Entscheidung unterstützt. Als ich die vielen Menschen vor dem Gerichtsgebäude sah, war das ein sehr emotionaler Moment für mich. Ich und die anderen Wehrdienstverweigerer sind solche Unterstützung nicht gewohnt.

Natürlich hatte ich Angst, als ich vor dem Militärgericht stand. Auch weil ich nicht wusste, was kommen würde. Wie es mir im Gefängnis ergehen würde. Und was die Zukunft uns hier auf Zypern bringt. Diese Unsicherheit wird verstärkt durch das derzeitige Regime in der Türkei. Viele Journalisten, viele Akademiker sind dort allein wegen ihrer Ansichten im Gefängnis. Weil der nördliche Teil Zyperns von der Türkei besetzt ist, leben wir immer im Schatten der Türkei.

Als ich meinen Wehrdienst geleistet habe, war ich 25 Jahre alt. Um ehrlich zu sein: Hätte ich damals genug Mut gehabt, hätte ich damals schon verweigert. Jetzt bin ich 33 Jahre alt und sehe viele Dinge klarer. Ich weigere mich, eine Waffe in der Hand zu halten, weil ich sage: Es reicht! Es reicht mit dem Krieg, mit der Ungerechtigkeit, es reicht, die vielen Flüchtlinge zu sehen, die im Meer und auf dem Festland sterben.

Der Richter hat mich zu zwanzig Tagen Gefängnis verurteilt. Doch als ich mich an das Oberste Gericht wandte, hat es dem Urteil widersprochen und entschieden, dass Wehrdienstverweigerung ein Menschenrecht ist. Das war ein sehr wichtiger Moment für uns Wehrdienstverweigerer, aber auch für das Land selbst. Meine Strafe wurde auf drei Tage Gefängnis reduziert.

Ich musste sie im zentralen Gefängnis im besetzten Teil von Nikosia verbringen, in einem sieben Quadratmeter großen Zimmer, in dem zehn Menschen untergebracht waren. Das Gefängnis war heillos überfüllt. Für vierzig Menschen gab es nur drei Toiletten. Wenn man

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