Und erlöse uns von den Trieben
Ich hätte ihn gleich nach dem zweiten Band geheiratet«, sagt eine junge Frau in einer meiner Lehrveranstaltungen. Der Traum-Bräutigam, von dem sie da spricht, heißt Edward Cullen und ist Vampir. Mit ihrer Begeisterung für den dunklen Helden der Twilight-Saga drückt meine Studentin eine tiefe Sehnsucht von Millionen junger Frauen aus, die diese Bücher und Filme verschlingen. Und wenn wir Theologinnen und Theologen uns daran erinnern, dass die Sehnsucht unser Hauptgeschäft ist, dann kommen auch wir nicht daran vorbei, uns auseinanderzusetzen mit der Twilight-Story der amerikanischen Autorin Stephenie Meyer. Denn diese Saga vom guten Vampir, der nicht gleich zubeißt, sondern seinen Trieb aus Liebe bändigt, behandelt Themen, die allesamt der theologischen Hardcore-Fraktion angehören: Leben, Tod und Verdammnis (Dogmatik), Triebverzicht, voreheliche Enthaltsamkeit (Moral) und ewige Liebe (beides).
Sie haben bereits ein
-Abo? Hier anmelden
Theresia Heimerlgeboren 1971, ist Professorin am Institut für Religionswissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz
