»Die Stimme erheben, solange ich Atem habe«
Den Kontakt mit der Erde liebe ich. Und so arbeitete ich gerade im Garten, als ich die Nachricht von Carlos Tod erhielt«, sagt sie mit ihrer eindringlichen, ein wenig heiseren Stimme. Haidi Giuliani ist eine zierliche Frau von Mitte 60. Ihr Sohn Carlo wurde vor neun Jahren, am 20. Juli 2001, von einer Polizeikugel getroffen, als er mit Zehntausenden Gegnern des G8-Gipfels in Genua unter dem Motto »Eine andere Welt ist möglich« friedlich demonstrierte. In ihren Worten schwingen noch immer Wut und tiefe Trauer. »Monatelang war ich stumm vor Schmerz«, berichtet sie. »Immer wieder kehrte ich zurück zur Piazza Alimonda, wo Carlo erschossen wurde, setzte mich auf den Asphalt und versuchte zu verstehen.« Carlo war damals 23 Jahre alt, er war ihr einziger Sohn. Inzwischen ist er so etwas wie eine Symbolfigur der weltweiten globalisierungskritischen Bewegung geworden. Für diese Bewegung kämpft Haidi Giuliani bis heute. Aber auch für die Aufklärung über das, was damals passiert ist bei den Überfällen auf die friedlichen Demonstranten des Anti-G8-Gipfels. Zusammen mit ihrem Mann, dem Gewerkschaftler Giuliano Giuliani, fordert sie unermüdlich Aufklärung und Gerechtigkeit.
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