Wenn Lehre und Leben nicht zusammenpassen
Unmittelbar vor der Veröffentlichung des vatikanischen Arbeitspapiers zur Familiensynode haben katholische Theologinnen und Theologen in Münster noch einmal auf die große Differenz aufmerksam gemacht, die zwischen dem katholischen Ideal von Ehe, Familie und Sexualität und der Lebenswirklichkeit vieler Menschen herrscht. Auf einem Vortrag im »Exzellenzcluster Religion und Politik« würdigte die Sozialethikerin Marianne Heimbach-Steins zwar die neue Gesprächskultur im Vatikan, kritisierte aber, dass wissenschaftliche Gender-Theorien von der Synode pauschal als »Ideologie« abgetan werden. Wenn man heute angemessen über Ehe sprechen wolle, müsse man auch die stark gestiegene Lebenserwartung mitbedenken, die Paaren andere Rhythmen abverlange, ebenso die Lebenssituation homosexueller Menschen. Es sei wissenschaftlich und theologisch unredlich, eine Unveränderlichkeit von Normen zu Ehe, Familie, Geschlechterrollen und Sexualität zu behaupten und dies mit dem Willen oder dem Plan Gottes zu begründen. Dieses »Autoritätsargument« sei nicht nur theologisch anfechtbar, sondern führe immer wieder dazu, dass die Debatte abgewürgt werde.
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