Konzerne im Klassenzimmer
Einmal selbst Banker sein: im Chefsessel Platz nehmen, Kredite vergeben, mit Kunden verhandeln, Erfolge präsentieren. »Schulbanker« heißt das beliebte Planspiel, an dem sich in diesem Jahr 3500 Schüler beteiligt haben. Der Bundesverband Deutscher Banken veranstaltet es seit elf Jahren.
In der Endausscheidung konkurrierten zwanzig Teams. In einem Kurzfilm zur Preisverleihung äußern sich Schüler und Lehrer. »Ich lernte, wie Wirtschaft funktioniert«, erzählt ein Schüler. Eine Teilnehmerin spricht von einem »kleinen Kick«, den sie verspürt habe. Eine Lehrerin ist von einem »gruppendynamischen Effekt« überrascht, der Begeisterung ausgelöst habe.
Zufriedene Pädagogen, eventgesättigte Schüler – gibt es daran etwas auszusetzen? »Überhaupts nichts«, meint Anke Papke vom Bundesverband Deutscher Banken in einem ZDF-Frontal-Bericht: »Es geht um mehr Wissen.«
Ganz anders argumentiert Felix Kamella von LobbyControl: »Bei Schulbanker wird einzig die unternehmerische Perspektive in die Schule getragen, nicht aber die soziale, die ökologische oder die politische.« In der Studie »Lobbyismus an Schulen« bezeichnet die Initiative für Transparenz und Demokratie die einseitige Beeinflussung von Schülern als »völlig unakzeptabel«.
Wie die Unterfinanzierung des deutschen Bildungssystems zum Einfallstor für Lobbyisten an Schulen wird und warum LobbyControl eine Monitoringstelle für Unterrichtsmaterial fordert, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von Publik-Forum (22/2013).
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